Mager ausgefallene Quartalszahlen und ein deutlich defensiverer Ausblick setzen die Lufthansa-Aktie unter Druck. Wodurch der Kurssturz ausgelöst wurde und worauf Anleger jetzt achten sollten.
Lufthansa hat Investoren mit enttäuschenden Quartalszahlen und einer gekürzten Ergebnisambition auf dem falschen Fuß erwischt. Die Aktie sackte am Dienstag zeitweise um bis zu elf Prozent auf den niedrigsten Stand seit beinahe zwei Monaten ab und war Schlusslicht im MDAX. Besonders bitter: Am Vortag profitierte das Papier noch von deutlich gefallenen Ölpreisen, nun droht aus charttechnischer Sicht sogar die wichtige 200-Tage-Linie zu reißen.
Lufthansa-Marge bricht spürbar ein
Operativ klafft eine deutliche Lücke zwischen Nachfrage und Ertrag. Der Umsatz erhöhte sich im zweiten Quartal zwar um elf Prozent auf 11,1 Milliarden Euro, gestützt von höheren Durchschnittspreisen und anhaltender Reiselust. Gleichzeitig fiel das bereinigte EBIT von 870 Millionen Euro im Vorjahr auf nur noch 383 Millionen Euro.
Die Marge schrumpfte von 8,4 auf 3,4 Prozent. Unterm Strich blieb ein Konzerngewinn von 123 Millionen Euro, nach rund einer Milliarde Euro im Jahr zuvor. Analysten hatten deutlich mehr erwartet.
Kerosin als Hauptbelastung
Größter Kostentreiber war Kerosin. Die Treibstoffausgaben lagen im Quartal rund 750 Millionen Euro über dem Vorjahreswert, davon entfielen mehr als 600 Millionen Euro auf die Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss, Austrian, Brussels und Ita.
Zusätzlich belasteten sechs Streiktage im April das Ergebnis mit mindestens 150 Millionen Euro. Konzernchef Carsten Spohr sprach von einem fordernden zweiten Quartal, das erneut von Krisen und geopolitischen Unsicherheiten geprägt gewesen sei. Trotz höherer Auslastung und deutlich gestiegener Durchschnittserlöse hätten die stark erhöhten Treibstoffkosten nicht vollständig kompensiert werden können, hieß es.
Der Iran-Krieg und stark schwankende Kerosinpreise zwingen Lufthansa nun zu größerer Vorsicht. Für 2026 erwartet der Konzern ein bereinigtes EBIT zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro. Zuvor hatte Lufthansa noch in Aussicht gestellt, den Vorjahreswert von 1,96 Milliarden Euro deutlich zu übertreffen. Am unteren Ende der neuen Spanne wäre nun sogar ein Gewinnrückgang möglich. Auch beim Flugangebot tritt der Konzern auf die Bremse: Die Kapazitäten der Passagierairlines sollen im Gesamtjahr nur noch dem Vorjahresniveau entsprechen, statt wie zuletzt geplant um bis zu 2 Prozent zu wachsen.
Rückbau der Regionaltochter Lufthansa Cityline erhöht den Druck
Zusätzlichen Gegenwind bringt der abrupte Rückbau der Regionaltochter Lufthansa Cityline. Bis Oktober sollen rund 20.000 Flüge entfallen, auch weil hohe Personalkosten und teures Kerosin viele Strecken unwirtschaftlich machen. Zwar legten Lufthansa Cargo und Lufthansa Technik operativ zu, doch im Kerngeschäft Passagierflug bleibt der Druck hoch.
JPMorgan bestätigte nach den Zahlen das Votum „Neutral“ mit einem Kursziel von 8 Euro und rechnet mit anhaltender Kursschwäche. Für Anleger ist die Botschaft eindeutig: Die Nachfrage ist vorhanden, doch Kerosin, Streiks und andere Kosten zehren die Gewinne auf.