Nach dem Zinsschritt im Juni legt die Europäische Zentralbank vorerst eine Pause ein. Allerdings könnten kletternde Energiepreise schon im September eine weitere Anhebung erforderlich machen.
Die Europäische Zentralbank belässt ihre drei Leitzinsen auf dem bisherigen Niveau. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagensatz liegt weiterhin bei 2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz bleibt bei 2,40 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent. Nach der Zinserhöhung im Juni wartet der EZB-Rat nun zunächst neue Daten zu Inflation, Löhnen und Konjunktur ab.
Der Zinsentscheid auf einen Blick:
- Der Einlagensatz verharrt bei 2,25 Prozent.
- Eine zusätzliche Anhebung im September ist weiterhin denkbar.
- Zinsen für Tages- und Festgeld dürften vorerst stabil bleiben.
- Bau- und Ratenkredite werden durch die Pause nicht automatisch billiger.
- Für Verbraucher sind nun Vergleiche und flexible Laufzeiten entscheidend.
Der Energiemarkt bleibt das größte Risiko
Hauptgrund für die Pause ist der jüngste Rückgang der Inflation. Nach Angaben des Statistikamtes Eurostat sank die Teuerungsrate im Euroraum von 3,2 Prozent im Mai auf 2,8 Prozent im Juni. Damit bewegt sie sich wieder in Richtung Ziel, liegt aber weiterhin über dem mittelfristigen EZB-Wert von zwei Prozent.
Das größte Risiko ist weiterhin der Energiemarkt. Steigende Öl- und Gaspreise verteuern zunächst Kraftstoffe, Heizen, Transport und Produktion. Halten diese Belastungen an, können Unternehmen höhere Kosten auf Waren und Dienstleistungen abwälzen. Auch kräftigere Lohnforderungen könnten folgen.
Auch die EZB-Prognosen zeigen: Die Inflation bleibt vorerst eine Herausforderung. Für 2026 erwartet sie im Schnitt drei Prozent. Erst 2028 soll die Teuerungsrate wieder das Ziel von zwei Prozent erreichen. In der zweiten Jahreshälfte könnten vor allem höhere Energiepreise die Inflation zunächst noch einmal anschieben.
Wie Sparer jetzt reagieren sollten
Für Sparer bedeutet der Beschluss zunächst Stabilität. Banken geben gute Tages- oder Festgeldzinsen jedoch nicht automatisch an ihre Kunden weiter. Ausschlaggebend sind der Wettbewerb zwischen den Instituten, die Laufzeit und mögliche Aktionen für Neukunden.
Bei Tagesgeld sollten Verbraucher daher nicht nur den beworbenen Zinssatz prüfen. Wichtig sind auch die Dauer der Zinsgarantie und der oft deutlich niedrigere Satz, der nach einigen Monaten gilt.
Wer einen Teil seines Geldes länger binden kann, sollte unterschiedliche Laufzeiten staffeln. Eine mögliche Aufteilung sind Festgelder über sechs, zwölf und 24 Monate. So wird regelmäßig Kapital frei, das bei steigenden Zinsen neu angelegt werden kann. Gleichzeitig bleiben Teile der heutigen Konditionen gesichert.
Immobilienkäufer sollten Kaufpreis, Eigenkapital, Tilgung und Gesamtkosten gemeinsam betrachten
Eine Zinspause macht Baufinanzierungen nicht unmittelbar günstiger. Banken kalkulieren langfristige Immobilienkredite vor allem anhand der Renditen am Anleihemarkt und der erwarteten Inflation. Erwarten Investoren eine weitere EZB-Anhebung, können Bauzinsen trotz unverändertem Leitzins hoch bleiben.
Daher sollten Immobilienkäufer Kaufpreis, Eigenkapital, Tilgungsrate und Gesamtkosten im Verbund betrachten. Bei Ratenkrediten ist der effektive Jahreszins entscheidend. Mehrere Angebote zu vergleichen, bringt über die gesamte Laufzeit oft mehr Ersparnis als auf eine mögliche Zinssenkung zu warten.