Aus für ein Traditionsunternehmen im Handel
Die Supermarktkette Tegut zieht sich vollständig aus dem deutschen Einzelhandel zurück. Nach Jahren anhaltender wirtschaftlicher Probleme wird das Unternehmen abgewickelt und soll bis spätestens Ende des Jahres vollständig vom Markt verschwinden.
Von diesem Schritt sind rund 7.400 Mitarbeiter betroffen. Nach Unternehmensangaben wurden die Beschäftigten am Morgen über die Pläne informiert. Eigentümer des Unternehmens ist die schweizerische Handelsgruppe Migros Zürich, die sich mit diesem Schritt vollständig aus dem deutschen Lebensmittelhandel zurückzieht.
Der Rückzug bedeutet einen weiteren Einschnitt im deutschen Einzelhandel, der seit Jahren von scharfem Wettbewerb und steigendem Preisdruck geprägt ist.
Anhaltende Verluste erzwingen den Rückzug
Hintergrund der Entscheidung sind die fortdauernden wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens. Trotz verschiedener Sparmaßnahmen gelang es Tegut nicht, nachhaltig profitabel zu arbeiten.
Der deutsche Lebensmittelhandel gilt als einer der härtesten Märkte Europas. Große Handelsketten liefern sich einen intensiven Wettbewerb um Preise und Marktanteile. Gleichzeitig steigen die Kosten für Personal, Logistik und Energie.
Der Chef von Migros Zürich, Patrik Pörtig, erklärte zur Situation:
„Der deutsche Lebensmittelhandel ist sehr preisgetrieben und zugleich kostenintensiv.“
Unter diesen Rahmenbedingungen gelang es langfristig nicht, ein tragfähiges wirtschaftliches Geschäftsmodell zu etablieren.
Edeka will den Großteil der Märkte übernehmen
Für zahlreiche betroffene Filialen zeichnet sich bereits eine Perspektive ab. Branchenkreisen zufolge hat der Marktführer Edeka bereits Verträge geschlossen, um einen erheblichen Teil der Tegut-Standorte zu übernehmen.
Die Übernahme steht jedoch noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Bundeskartellamt. Sollte die Behörde grünes Licht geben, sollen die Filialen auf mehrere regionale Edeka-Gesellschaften verteilt werden.
Zu den möglichen neuen Betreibern zählen unter anderem die Edeka-Organisationen Hessenring, Südwest, Südbayern und Nordbayern. Damit würde ein großer Teil der bisherigen Tegut-Märkte in das bestehende Edeka-Netz integriert.
Mit mehr als 11.000 Filialen ist Edeka bereits heute der größte Lebensmittelhändler in Deutschland.
Auch Logistik und Tochterfirmen betroffen
Neben den Supermärkten stehen weitere Unternehmensbereiche zur Disposition. Nach Angaben des Eigentümers Migros plant Edeka auch die Übernahme zentraler Infrastruktureinheiten.
Dazu zählt das Logistikzentrum im hessischen Michelsrombach, das eine Schlüsselrolle für die Versorgung der Filialen spielt. Außerdem stehen die Bäckerei Herzberg sowie die Tochtergesellschaft Smart Retail Solutions zur Diskussion.
Letztere betreibt rund 40 automatisierte Teo-Märkte, ein Konzept für kleinere, teilweise rund um die Uhr zugängliche Verkaufsstellen.
Die Eingliederung dieser Bereiche könnte Edeka zusätzliche strategische Spielräume im Wettbewerb eröffnen.
Rewe zeigt ebenfalls Interesse
Neben Edeka signalisiert auch der Konkurrent Rewe Interesse an Teilen des Filialnetzes. Nach Brancheninformationen führt das Unternehmen Gespräche über den Erwerb eines kleineren Pakets an Standorten.
Im Gespräch sind weniger als 100 Märkte. Anders als Edeka wäre Rewe jedoch nicht an der Übernahme zentraler Strukturen wie Logistik oder Verwaltung interessiert.
Die Verhandlungen laufen weiter, eine endgültige Entscheidung steht noch aus.
Rewe zählt ebenfalls zu den dominierenden Kräften im deutschen Lebensmittelhandel. Das Unternehmen betreibt bundesweit rund 3.800 Supermärkte.
Perspektive für viele Mitarbeiter
Für die rund 7.400 Beschäftigten ist die Lage zunächst von großer Unsicherheit geprägt. Gleichzeitig besteht Hoffnung auf eine Weiterbeschäftigung.
Nach Angaben von Migros hat sich Edeka verpflichtet, die Mitarbeiter der übernommenen Filialen zu übernehmen. Sollte die Transaktion vollständig umgesetzt werden, könnten viele Beschäftigte ihren Arbeitsplatz behalten – allerdings unter neuer Unternehmensführung.
Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich erhalten bleiben, hängt letztlich davon ab, wie viele Filialen von Edeka oder möglicherweise auch von Rewe übernommen werden.
Die Konzentration im Lebensmittelhandel nimmt zu
Der Ausstieg von Tegut verdeutlicht erneut die zunehmende Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel. Der Markt wird von wenigen großen Unternehmen dominiert, die aufgrund ihrer Größe erhebliche Wettbewerbsvorteile besitzen.
Neben Edeka und Rewe zählen auch Aldi und Lidl zu den zentralen Akteuren der Branche. Kleinere Anbieter geraten hingegen häufig unter Druck, da sie im Preiskampf mit den großen Ketten kaum mithalten können.
Die Entwicklung zeigt, wie schwierig es für mittelgroße Handelsunternehmen geworden ist, sich langfristig im deutschen Markt zu behaupten.
Ein weiterer Wandel im Einzelhandel
Mit dem geplanten Rückzug von Tegut verschwindet ein weiterer Name aus der deutschen Handelslandschaft. Gleichzeitig stärkt der Vorgang die Position der großen Handelskonzerne, die ihre Marktanteile weiter ausbauen können.
In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie viele der bisherigen Filialen tatsächlich weitergeführt werden und wie sich die Struktur des deutschen Lebensmittelmarktes weiter verändert.