Nicolas Ebert liefert prägnante News mit sicherem Blick für die Themen, die die Märkte bewegen. Nach mehr als sechs Jahren bei wallstreetONLINE und ariva.de fühlt sich der Berliner in der Finanzwelt zu Hause. Seine Berichte spannen den Bogen von Value-Werten und Asiens Märkten über US-Big-Tech bis hin zu aktuellen Top-Performern an den Weltbörsen – fundierte Informationen, die Anlegern Orientierung geben.
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Seit der Gründung keine Gewinne, nur ein einziger Großkunde – dennoch katapultiert ein Börsengang zwei Chip-Entwickler in den Milliardärsclub. Wie kann das bei einem tiefrot bilanzierenden Nvidia-Konkurrenten funktionieren?
Kurz zusammengefasst:
Der chinesische Chip-Entwickler Shanghai Enflame Technology Co. beschäftigt weniger als 900 Menschen und hat im Wesentlichen einen Großabnehmer. Seit der Gründung 2018 schrieb das Unternehmen noch nie schwarze Zahlen. Trotzdem zählen die Gründer Zhao Lidong und Zhang Yalin inzwischen zu Milliardären, berichtet Bloomberg .
Trotz möglicher Wachstumsbremsen fließt viel Kapital in das Unternehmen. Größter Anteilseigner und zugleich Hauptkunde ist Tencent Holdings.
Am Freitag gab Enflame sein Debüt an der Börse in Shanghai. Die Aktie sprang am ersten Handelstag zeitweise um mehr als 200 Prozent nach oben. Dadurch stieg das Vermögen von Zhao und Zhang laut Bloomberg auf jeweils rund 2,5 Milliarden US‑Dollar. Beide unterliegen langen Sperrfristen und müssen definierte Ziele erreichen, bevor sie Anteile veräußern dürfen.
Die Platzierung war stark überzeichnet – trotz Lieferkettenproblemen, der harten Konkurrenz durch Nvidia und geopolitischer Unsicherheiten.
Zhao und Zhang waren zuvor bei Advanced Micro Devices (AMD) tätig. Zhao verbrachte zwei Jahrzehnte im Silicon Valley, während Zhang zuletzt die Entwicklung von Kernchips im AMD-Forschungszentrum in Shanghai leitete. Anstatt direkt gegen Nvidias GPU-Ökosystem anzutreten, setzten sie auf eine eigene Chip-Architektur außerhalb dieses Systems.
KI-Boom in China
Der Auftrieb hängt eng mit Tencent zusammen, das seine KI-Kapazitäten für WeChat und weitere Dienste ausbaut. Tencent hält 20 Prozent an Enflame und war laut Bloomberg 2025 für fast 84 Prozent des Umsatzes von 990 Millionen Yuan (127,35 Millionen Euro) verantwortlich.
2025 verbuchte Enflame einen Nettoverlust von 1,16 Milliarden Yuan (149 Millionen Euro) – vor allem wegen hoher Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Ende 2023 musste das Unternehmen infolge geopolitischer Spannungen bestimmte Chip-Designs herunterskalieren, um weiter bei Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) fertigen zu können. Zusätzliche Erlöse stammen aus staatlich geförderten Rechenprojekten in Städten wie Wuxi und Qingyang.
Paul Triolo, Technologiechef bei DGA, nennt den Fokus auf alternative Chips eine riskante Form strategischer Autarkie. Für Tencent und kommunale Rechenzentren könne der Ansatz aufgehen, auf dem offenen Entwicklermarkt sei er jedoch weniger attraktiv.
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