Weniger gut erging es hingegen den Anlegern von Qualcomm. Auf Sicht von drei Jahren kommt die Aktie lediglich auf eine Gesamtrendite von 16,4 Prozent. Im gleichen Zeitraum legte eine Anlage in den US-Gesamtmarktindex S&P 500 um 75,9 Prozent zu.
Der Anbieter von System-on-Chips (SoCs) bekommt den Wegfall von Apple als bedeutendem Kunden für seine Breitbandmodems zu spüren. Zugleich schwächelt der globale Smartphone-Markt, belastet durch ausbleibende Innovationen und stark gestiegene Speicherpreise.
Produktoffensive vermag die Schwäche im Smartphone-Geschäft nicht auszugleichen
Das auf lange Sicht erfolgreiche Unternehmen treibt zwar die Diversifizierung seines Portfolios voran – im Herbst feierten Investorinnen und Investoren die Ankündigung eigener KI-Beschleuniger, die Branchenprimus Nvidia (Nvidia Aktie) Marktanteile abringen sollen. Bereits zuvor startete der Konzern mit KI-fähigen CPUs für Laptops und Desktop-PCs eine Frontalattacke auf AMD und Intel. Die damit erzielten Umsätze wachsen jedoch nur zäh.
Mehr Rückenwind verzeichnete Qualcomm (Qualcomm Aktie) in den vergangenen Jahren in der Automotive-Sparte. Die Stärke des Unternehmens bei Kommunikationshalbleitern zahlt sich aus, da Konnektivität im Zuge des autonomen Fahrens immer wichtiger wird. Mit zuletzt 1,1 Milliarden US-Dollar Quartalsumsatz ist das Geschäftsfeld jedoch noch zu klein, um die Schwächen bei Halbleitern für mobile Endgeräte zu kompensieren.
Zwischenzeitliche Kursgewinne wurden daher immer wieder abverkauft, was zur Underperformance der Aktie beigetragen hat:
Weitere Kursverluste möglich, mehrjähriger Aufwärtstrend gefährdet
Jüngst beschleunigte sich die Talfahrt der Aktie, nachdem Qualcomm einen schwachen Ausblick auf das kommende Geschäftsjahr vorgelegt hatte. Aufgrund der anhaltenden Speicherknappheit rechnet das Unternehmen mit einer fortgesetzten Absatzflaute am Smartphone-Markt. Das verärgerte Investoren, weil die im Vorjahr skizzierten mittelfristigen Finanzziele zunehmend außer Reichweite scheinen.
Aus charttechnischer Sicht bewegt sich Qualcomm seit dem Allzeithoch im Juni 2024 in einem Abwärtstrend. Der im Juni 2023 gestartete, ohnehin schwache Aufwärtstrend steht nach den jüngsten Rücksetzern auf der Kippe. Ohne eine Gegenbewegung durch kurzfristig bullische Divergenzen im RSI und MACD droht ein weiterer Rückgang bis mindestens 120 US-Dollar.
20 Milliarden US-Dollar für Rückkäufe und höhere Dividende sollen Investoren besänftigen
Dem Management um den langjährigen CEO Christian Amon ist die unbefriedigende Lage für Anlegerinnen und Anleger bewusst. Deshalb hat der Verwaltungsrat am Dienstag ein Aktienrückkaufprogramm über 20 Milliarden US-Dollar gebilligt. Bei einer aktuellen Marktkapitalisierung von 139,2 Milliarden US-Dollar ließe sich damit bis zu rund ein Siebtel der ausstehenden Anteile einziehen.
Zusätzlich soll eine Dividendenerhöhung die Wogen glätten. Die quartalsweise Ausschüttung wurde von 0,89 US-Dollar je Aktie um 3,4 Prozent auf 0,92 US-Dollar angehoben. Bei einem Kurs von etwa 131 US-Dollar entspricht das einer Dividendenrendite von 2,8 Prozent – eine der höchsten in der Halbleiterindustrie.
Trotz jüngster operativer Rückschläge kann sich das Unternehmen diese Aktionärsfreundlichkeit leisten: Die Nettoverschuldung beträgt lediglich knapp 3 Milliarden US-Dollar.
Fazit: Buybacks werden Unentschlossene kaum zum Kauf bewegen
Ob das reicht, kurzfristig oder mittelfristig die Wende einzuleiten, ist fraglich. Schon jetzt zählt Qualcomm fundamental zu den günstigsten Werten der Halbleiterbranche – mit einem KGVe von 11,8 für das Geschäftsjahr 2026, einer zweistelligen Cashflow-Rendite und einer Dividende deutlich über dem Branchenschnitt. Wer sich davon bislang nicht überzeugen ließ, wird sich von milliardenschweren Rückkäufen voraussichtlich ebenfalls nicht zum Einstieg bewegen lassen.
Die Hoffnungen der zu Recht enttäuschten Investoren ruhen daher einerseits auf einer Erholung des Smartphone-Marktes und andererseits auf einem Durchbruch der Produktoffensive. Beides könnte angesichts der voraussichtlich bis mindestens ins nächste Jahr anhaltenden Speicherkrise schwierig bleiben – und da AMD und Intel bereits gezeigt haben, dass neue Produkte in einem zunehmend volleren Markt allein keine Verkaufserfolge garantieren, sondern dafür viel Überzeugungsarbeit nötig ist.
Für fundamental orientierte Anlegerinnen und Anleger bietet Qualcomm auf dem aktuellen Bewertungsniveau einen attraktiven Gegenwert. Wer jedoch nicht die Geduld mitbringt, sich möglicherweise über Jahre zu binden, sollte stattdessen eher auf derzeit erfolgreichere Halbleiterunternehmen setzen.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross