Italienische Banken vergeben Kredite gegen Parmesankäse im Wert von mehreren hundert Millionen Euro. Doch Hitzewellen, teurere Kühlung und rückläufige Milchmengen setzen dieses Modell unter Druck.
In Italien lagern über 500.000 Laibe Parmigiano Reggiano in speziellen Banktresoren – als Pfand für Darlehen. In den Depots der Bank Credito Emiliano (Credem) liegt Käse im Wert von deutlich mehr als 300 Millionen Euro, wie „Fortune“ meldet. Ausgerechnet anhaltende Hitze bringt dieses außergewöhnliche Finanzmodell jedoch zunehmend ins Wanken.
Seit 1953 nimmt die Bank junge Parmigiano-Laibe als Sicherheit für Kredite an, vor allem für Milchviehbetriebe. Landwirte erhalten in der Regel 60 bis 80 Prozent des Wertes vorfinanziert und müssen nicht warten, bis der Käse nach zwölf, 24 oder sogar 36 Monaten verkauft werden kann. Heute läuft das System teils sogar blockchainbasiert: Die Laibe lassen sich verpfänden, obwohl sie auf dem Hof verbleiben. Dadurch konnte Credem ihre Kreditvergabe laut „Fortune“ spürbar ausweiten.
Italien stellt jährlich vier Millionen Laibe Parmigiano Reggiano her
Die Größenordnung ist enorm. Pro Jahr entstehen in Italien etwa vier Millionen Laibe Parmigiano Reggiano. Die Branche erwirtschaftet rund vier Milliarden Euro Umsatz. Die Käselager selbst bewegen jährlich ungefähr 2,3 Millionen Laibe.
Die Hitze treibt die Kosten jedoch deutlich nach oben. Der tägliche Energiebedarf der Lager stieg in diesem Sommer um rund 30 Prozent, weil die sensiblen Käsebestände intensiver gekühlt werden müssen. Die Bank investiert daher in neue Kühltechnik, bessere Isolierung und zusätzliche erneuerbare Energien.
Noch kritischer ist, was bereits auf den Bauernhöfen passiert. Bei großer Hitze fressen Kühe weniger und geben weniger Milch. Die Produktion kann dadurch um bis zu zehn Prozent pro Jahr zurückgehen. Gleichzeitig leidet die Qualität. Für die Parmigiano-Produzenten heißt das: weniger Rohstoff bei höheren Kosten.
Auch Italiens Wein- und Olivenölsektor leidet unter Rekordhitze
Der Druck geht weit über Käse hinaus. Auch Italiens Wein- und Olivenölbranche kämpft mit Rekordhitze, früheren Ernten und sinkenden Erträgen. In der Weinregion Franciacorta begann die Lese 2026 so früh wie noch nie, während die Olivenölproduktion bereits deutlich unter historischen Durchschnittswerten liegt.
Damit werden Italiens skurrile „Käsebanken“ zu einem ernsthaften Wirtschaftsproblem. Das Modell funktioniert nur, solange der Käse sicher reift, seinen Wert behält und später verkauft werden kann. Steigen die Kühlkosten, sinkt die Milchproduktion und geraten Ernten unter Druck, trifft die Hitze am Ende nicht nur Bauern und Verbraucher – sondern sogar Banken, die Käse wie Vermögen im Tresor lagern.