Max Gross bringt viele Jahre Erfahrung an den Finanzmärkten mit, darunter fünf Jahre als Redakteur bei einem der führenden deutschen Anlegermagazine. Für ARIVA.DE bereitet er Markt- und Unternehmensentwicklungen fundiert, praxisnah und mit klarem Fokus auf Investmententscheidungen auf. Sein Schwerpunkt: US-Aktien, Dividendenstrategien und Value-Titel. Sein Ziel ist es, Anlegerinnen und Anlegern relevante Fakten, umsetzbare Ideen und belastbare Impulse für den langfristigen Vermögensaufbau zu liefern – auf Basis einer Kombination aus technischer und fundamentaler Analyse.
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Symbolbild, erzeugt per KI (ChatGPT).
Der Sportbekleidungsanbieter Lululemon zählt derzeit zu Michael Burrys größten Überzeugungen. Sollte man seinem Ansatz folgen?
Kurz für dich zusammengefasst:
Michael Burry rechnet fest mit dem Platzen der KI-Blase …
Der als Crashprophet bekannte Michael Burry, der die Finanzkrise 2007/08 frühzeitig richtig einschätzte, sieht auch im Bereich Künstliche Intelligenz eine massive Investitions- und Spekulationsblase.
Deshalb hat er in den vergangenen Monaten stark gegen KI-Profiteure wie Caterpillar, Micron, Nvidia und Palantir positioniert – und lag damit zumindest zeitweise richtig, als der Nasdaq 100 Ende Juli deutlich unter Druck geriet.
… gleichzeitig setzt er auch auf ausgewählte Long-Positionen!
Neben zahlreichen Short-Trades hält Burry jedoch auch mehrere Long-Wetten. Dazu zählen der US-Krankenversicherer Molina Healthcare, der Tiergesundheitsspezialist Zoetis sowie der Sportartikelhersteller Lululemon.
Aus dieser Auswahl ist Lululemon – groß geworden mit Yoga-Matten und Trainingszubehör – die bekannteste Marke und zugleich die Aktie mit der schwächsten Performance im laufenden Jahr: minus 43,2 Prozent.
Durch den Kursrutsch ist die Bewertung auf ein Rekordtief gefallen. Ist jetzt der Moment gekommen, Burrys Spur zu folgen und einzusteigen?
Die möglicherweise spannendste Wette: Lululemon
Die Branche für Sportartikel und -bekleidung bewegt sich derzeit in einem schwierigen Umfeld. Hohe Lebenshaltungskosten in den USA und eine anhaltend schwache Nachfrage in China haben das Wachstum gebremst; bei Anbietern wie Puma und Nike äußert sich das in sinkenden Umsätzen.
Positive Ausnahmen bilden Adidas sowie trendige Marken wie Hoka (Deckers Outdoor). Auch bei Lululemon hat sich das Wachstum deutlich verlangsamt: Nach Umsatzsprüngen von teils 15 bis 30 Prozent in den Jahren 2021 bis 2024 legte der Konzern zuletzt nur noch einstellig zu.
Zudem gaben die Margen nach, was geringere Nettoerträge zur Folge hatte. Im jüngsten Quartal lag der Gewinn bei 195,0 Millionen US-Dollar, nach 314,6 Millionen US-Dollar im Vorjahr – das leichte Umsatzplus half also nur bedingt. Dennoch ist die Ausgangslage besser als etwa bei Nike, das trotz höherer Bewertung schwächelt.
Herausforderndes Umfeld, aber eine überzeugende Bewertung
Die Bewertung ist der Kern von Burrys Investmentthese und aktuell das stärkste Pro-Argument. Nach einem Kursverlust von über 50 Prozent in diesem Jahr und einem Rückgang von zeitweise bis zu 80 Prozent gegenüber den Rekordhochs liegen die Bewertungskennzahlen deutlich unter dem historischen Schnitt.
Für das laufende Geschäftsjahr wird Lululemon mit dem 10,5-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt – ein Abschlag von 62 Prozent gegenüber dem 5-Jahres-Durchschnitt. Selbst im Vergleich zur Branche ist die Aktie rund ein Drittel günstiger bewertet. Zum Vergleich: Adidas kommt 2026 auf ein erwartetes KGV(e) von 16,1, Nike sogar auf 23,5 – trotz rückläufiger Umsätze.
Da Lululemon nur moderat verschuldet ist (621,3 Millionen US-Dollar), punktet die Aktie auch beim EV/EBITDA: Mit knapp 6,0 liegt das Verhältnis rund 65 Prozent unter dem historischen Mittel und fast 40 Prozent unter dem Branchenschnitt. Zudem generiert das Unternehmen besonders zuverlässig Barmittel für seine Anteilseignerinnen und Anteilseigner: Die Cashflow-Rendite beträgt knapp 13 Prozent und liegt damit über ein Viertel über dem Branchendurchschnitt.
In den letzten 12 Monaten erwirtschaftete Lululemon einen freien Cashflow von 1,134 Milliarden US-Dollar. Dieser floss nahezu vollständig in Aktienrückkäufe, die angesichts der niedrigen Bewertung im Fokus stehen. Trotz Branchenschwäche erwarten Analystinnen und Analysten im kommenden Geschäftsjahr erneut steigende Umsätze und Gewinne – ein weiterer Pluspunkt für die Bewertung.
Signale für eine mögliche Trendwende mehren sich
Charttechnisch sieht es zwar weiterhin schwierig aus, ganz ohne Hoffnung ist die Lage jedoch nicht. Von den Mehrjahrestiefs um 105 US-Dollar hat sich die Aktie bereits spürbar erholt.
Unterstützt von mehrwöchigen bullischen Divergenzen hat Lululemon zuletzt die 50-Tage-Linie zurückerobert und diese mehrfach erfolgreich getestet. Das spricht für einen möglichen Boden und liefert zugleich ein erstes prozyklisches Kaufsignal. Ermutigend ist auch, dass der Trendstärkeindikator nahe der Nulllinie notiert und damit jederzeit einen neuen Aufwärtstrend bestätigen könnte. Der Relative-Stärke-Index (RSI) wirkt zumindest nicht mehr belastend.
Solange die 50-Tage-Linie als Unterstützung fungiert und keine neuen Mehrjahrestiefs entstehen, überwiegen die Chancen nach oben die verbliebenen Abwärtsrisiken.
Fazit: Eine kleine Risikoposition ist jetzt vertretbar!
Eine schnelle Besserung der Nachfrage in der Sportartikelbranche ist unwahrscheinlich, solange sich das Konsumumfeld nicht aufhellt. Dafür braucht es vor allem rückläufige Inflation – etwas, das die Hersteller nicht steuern können.
Gerade bei Lululemon dürfte nach den drastischen Kursverlusten der letzten Jahre aber vieles Negative im Kurs eingepreist sein. Die Bewertung liegt klar unter dem historischen Durchschnitt, während ein Restwachstum bestehen bleibt. Das spricht dafür, dass Michael Burry hier richtig liegen könnte. Auch aus technischer Sicht hellt sich das Bild auf. Anlegerinnen und Anleger können der Aktie daher eine Chance geben – als kleine, bewusst eingegangene Risikoposition.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross
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