Max Gross bringt viele Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten mit, darunter fünf Jahre als Redakteur bei einem der führenden Anlegermagazine Deutschlands. Für ARIVA.DE bereitet er Markt- und Unternehmensentwicklungen tiefgehend, praxisnah und mit klarem Fokus auf Anlageentscheidungen auf. Sein Schwerpunkt liegt auf US-Aktien, Dividendenpapieren und Value-Werten. Sein Ziel ist es, Anlegerinnen und Anlegern relevante Informationen, konkrete Investmentideen und verlässliche Impulse für den langfristigen Vermögensaufbau zu liefern. Dafür kombiniert er technische und fundamentale Analyse.
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Symbolbild, erstellt per KI (ChatGPT).
Die Papiere des Chipkonzerns Infineon legen am Montag deutlich zu. Das Research-Haus Bernstein hat das Kursziel spürbar auf über 100 Euro angehoben.
Kurz für dich zusammengefasst:
DAX mit Rückenwind, Infineon (Infineon Aktie) setzt sich ab
Nach einem Wochenende mit gemischten Schlagzeilen präsentieren sich die globalen Börsen am Montag freundlich, da die USA und Iran offenbar einer dauerhaften Verständigung näher sind als einer erneuten Eskalation.
Rückläufige Energiepreise schoben den deutschen Leitindex DAX um rund 0,7 Prozent nach oben. Die Aktie des Halbleiterherstellers Infineon führte dabei mit großem Abstand das Feld an: Nach einem positiven Analystenkommentar legte sie zeitweise um mehr als 8 Prozent zu und markierte ein neues Mehrjahreshoch. Das gab auch anderen deutschen Chipwerten wie Aixtron und SUSS MicroTec Auftrieb.
Bernstein bestätigt Kaufvotum und erhöht das Kursziel deutlich
Das Analysehaus Bernstein hält trotz der kräftigen Rallye der vergangenen Wochen und Monate an seiner Kaufempfehlung für die Infineon-Aktie fest und hebt das Kursziel deutlich an. Den fairen Wert beziffert Analyst David Dai, der laut dem Vergleichsportal für Wall-Street-Analystinnen und -Analysten TipRanks als überdurchschnittlich verlässlich gilt, nun auf 102 Euro nach zuvor 74 Euro. Das zählt zu den aktuell höchsten Kurszielen für den DAX-Wert.
Im Durchschnitt sehen Expertinnen und Experten Infineon bei 75,25 Euro fair bewertet, was ein Abwärtspotenzial von 13,6 Prozent nahelegt. In den kommenden Tagen und Wochen könnten daher weitere Anhebungen der Kursziele folgen.
Seine anhaltend optimistische Einschätzung stützt Dai auf eine “Renaissance des Marktes für Hauptprozessoren (CPU)”, von der insbesondere Infineon und der japanische Wettbewerber Renesas profitieren könnten. Beide liefern zahlreiche Steuer- und Kontrolleinheiten. “Für beide Unternehmen gewinne das Thema Künstliche Intelligenz (KI) mehr Bedeutung als bisher von den Investoren wahrgenommen”, heißt es in der Studie.
Über eine Milliarde Euro aus Datencenter-Geschäft erwartet
Konkret kalkuliert Dai im Datencenter-Segment mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 39 Prozent in den nächsten drei Jahren. Bis zum Geschäftsjahr 2028 sollen so 1,1 Milliarden Euro Umsatz erreicht werden. Bei den Margen prognostiziert Dai einen Anstieg von zuletzt 17,5 auf “etwas über” 30 Prozent – insbesondere durch die Verlagerung von Produktionskapazitäten weg vom margenschwachen Auto-Geschäft hin zum ertragsstärkeren KI-Bereich.
Bereits am vergangenen Freitag hob das Analysehaus Kepler Chevreux sein Kursziel von 70 auf 95 Euro an. Das deutet darauf hin, dass Analystinnen und Analysten der Aktie eher folgen und ihre Erwartungen nach oben anpassen, statt sich mit Herabstufungen gegen Trend und Momentum zu stellen.
Kaufempfehlung zeigt Wirkung, neues Jahreshoch
Die starken Kursgewinne zum Wochenauftakt bescheren der Aktie ein neues Jahreshoch und bestätigen damit den seit Monaten intakten Aufwärtstrend. Gleichwohl ist die fortgeschrittene Erholung nach der jüngsten Korrektur beziehungsweise die Rallye insgesamt mit wachsender Vorsicht zu betrachten.
Zum einen ist Infineon auf höheren Zeitebenen stark überkauft. Der Wochen-RSI liegt bei rund 84 Punkten, auf Monatsbasis bei knapp 81 Zählern. Diese weit fortgeschrittenen Niveaus könnten im Falle einer Trendwende eine wochen- bis monatelange Korrektur nach sich ziehen. Bislang ist das neue Hoch zudem nicht durch korrespondierende Hochs in den technischen Indikatoren bestätigt – ein bearishes Divergenzsignal, das in der Chartanalyse als Vorbote von Gegenbewegungen gilt.
Angesichts des inzwischen großen Abstands zu den gleitenden Durchschnitten ist das Rückschlagpotenzial beträchtlich. Die 50-Tage-Linie verläuft bei rund 67 Euro, der GD200 liegt derzeit sogar unter dem Ausbruchsniveau um 48 Euro.
Fazit: Der Zug ist vorerst abgefahren
Auch mit Blick auf die Bewertung sollten Anlegerinnen und Anleger trotz der anhaltenden Zuversicht vieler Wall-Street-Expertinnen und -Experten vorsichtiger werden. Für 2026 wird Infineon mit fast dem 65-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, für 2027 liegt das KGVe bei 37 – und damit über dem Niveau von beispielsweise Nvidia.
Wer bereits investiert ist, kann dabeibleiben, solange das Momentum trägt oder bis sich eine Top-Bildung beziehungsweise eine Trendwende abzeichnet. Für Neueinsteigerinnen und -einsteiger erscheint Infineon angesichts des fortgeschrittenen technischen wie fundamentalen Niveaus derzeit jedoch nicht mehr attraktiv.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross
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