Zehn Minus-Quartale und ein schnellerer Jobabbau
Die deutsche Industrie steht weiter unter Druck: Die Erlöse sind nun bereits zehn Quartale in Folge rückläufig, und der Personalabbau gewinnt an Tempo. Für 2025 zeigt eine Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY ein Minus von 124.000 Arbeitsplätzen. Das entspricht 2,3 Prozent – und damit einem Rückgang, der fast doppelt so stark ausfiel wie im Jahr zuvor.
Zum Jahresende waren noch rund 5,38 Millionen Menschen in der Industrie beschäftigt. Besonders ins Auge fällt der längerfristige Trend: Seit 2019 gingen insgesamt 266.200 Stellen verloren, ein Minus von 4,7 Prozent. Das Bild: Die Branche kämpft nicht nur mit einer kurzfristigen Schwäche, sondern verliert strukturell an Größe.
Autoindustrie als Schwerpunkt der Einschnitte
Am stärksten betroffen ist die Automobilbranche. Allein 2025 verschwanden dort rund 50.000 Stellen. Seit 2019 summiert sich der Rückgang auf über 111.000 Jobs. Das entspricht einem Beschäftigungsminus von 13 Prozent – statistisch gesehen ist damit jeder siebte Arbeitsplatz in der Autobranche weggefallen.
Die Geschwindigkeit lässt sich nicht nur mit normalen Konjunkturzyklen erklären: Wenn innerhalb weniger Jahre ein so großer Teil der Belegschaft entfällt, spricht das für massiven Anpassungsdruck. Viele Standorte straffen Strukturen, und Tätigkeiten, die lange als sichere Basis galten, werden abgebaut.
Maschinenbau verliert 18.700 Stellen – keine Branche schafft neue Jobs
Druck verspüren nicht nur Autobauer und Zulieferer. Auch im Maschinenbau schrumpfte die Beschäftigung deutlich: Innerhalb eines Jahres gingen rund 18.700 Arbeitsplätze verloren. Auffällig ist ein übergreifender Punkt: Neue Jobs entstanden 2025 in keiner der untersuchten Industriebranchen. Anders als in früheren Schwächephasen gibt es derzeit keine Teilbereiche, die den Abbau in anderen Sektoren kompensieren.
Das macht den Strukturwandel breiter sichtbar. Wenn kein Industriezweig netto wächst, verschärft sich der Wettbewerb um Investitionen, Aufträge und Fachkräfte – Anpassungen erfolgen dann häufiger über Kostensenkungen und Personalabbau.
Umsätze sinken weiter: 537 Milliarden Euro im vierten Quartal
Die Beschäftigungstrends spiegeln sich in den Erlösen wider. Im vierten Quartal 2025 setzten die Industrieunternehmen 537 Milliarden Euro um – 1,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Es war damit das zehnte Minus-Quartal in Folge. Im Gesamtjahr sanken die Umsätze um 1,1 Prozent, nachdem sie bereits 2024 um 3,4 Prozent zurückgegangen waren.
Preisbereinigt wiegt der Einbruch besonders schwer: Für den Zeitraum 2023 bis 2025 wird ein Minus von nahezu zehn Prozent ausgewiesen. Das zeigt, dass es nicht nur um nominale Schwankungen geht, sondern um realen Substanzverlust bei Produktion und Nachfrage.
Gewinner und Verlierer: Auto, Papier, Textil schwach – Metall und Elektro stabiler
Die Entwicklung innerhalb der Industrie ist uneinheitlich. Besonders schwach präsentieren sich Autoindustrie, Papierindustrie und Textilindustrie. Dagegen legten Metallbranche und Elektroindustrie zuletzt leicht zu – allerdings nach teils deutlichen Rückgängen in den Vorjahren. Wichtig ist die Einordnung: Ein „leichtes Plus“ in einzelnen Segmenten reicht nicht aus, um die Gesamtindustrie zu stabilisieren, wenn große Sektoren weiter schrumpfen.
Es entsteht somit ein Bild, in dem wenige Teilbereiche eine Bodenbildung versuchen, während andere weiterhin stark belastet sind. Für Beschäftigung und Investitionen zählt jedoch die Summe – und die zeigt bislang klar nach unten.
Insolvenzen steigen: 1.483 Pleiten bis November 2025
Zusätzlichen Druck bringt die Zunahme der Firmenpleiten. Von Januar bis November 2025 meldeten 1.483 Industrieunternehmen Insolvenz an – 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein solches Niveau gab es in der Industrie zuletzt 2013. Seit 2021 hat sich die Zahl der Insolvenzen von Industrieunternehmen laut den Angaben nahezu verdoppelt. EY-Manager Jan Brorhilker bewertet die Lage klar und sagt: „Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen Krise.“ Ohne deutlichen Aufschwung dürften auch 2026 weitere Personalkürzungen nur schwer zu vermeiden sein. Entscheidend bleibt daher, ob und wann die Industriekonjunktur wieder genügend Rückenwind gewinnt, um Beschäftigung zu stabilisieren.