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finaktien.de > Blog > Lebensstil > Halbleiterstreit zwischen China und den Niederlanden belastet VW
Lebensstil

Halbleiterstreit zwischen China und den Niederlanden belastet VW

Last updated: October 21, 2025 10:44 pm
Klaus Meyer
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Halbleiterstreit zwischen China und den Niederlanden belastet VW

Volkswagen drosselt Produktion wegen Chipknappheit

Beim Autobauer Volkswagen könnte es erneut zu Produktionsverzögerungen kommen. Branchenkreise berichten, der Konzern plane, die Fertigung im Stammwerk Wolfsburg vorübergehend herunterzufahren. Besonders betroffen sind die Modelle Golf und Tiguan. Als Ursache gilt ein Mangel an wichtigen Halbleiter-Komponenten, die mutmaßlich vom niederländisch-chinesischen Zulieferer Nexperia stammen.
Das Unternehmen weist diesen Zusammenhang jedoch zurück. Ein Sprecher betonte, die geplante Aussetzung der Produktion stehe „nicht in direktem Zusammenhang mit dem Fall Nexperia“, sondern sei Teil der regulären Produktionsplanung. Dennoch wächst die Sorge, dass der Konflikt zwischen China und den Niederlanden die europäische Autoindustrie spürbar treffen könnte.

China erlässt Exportstopp für Nexperia

Auslöser der aktuellen Engpässe ist eine Entscheidung der chinesischen Regierung. Das Handelsministerium in Peking untersagte Nexperia China und dessen Subunternehmern den Export bestimmter Fertigkomponenten und Baugruppen.
Nexperia erklärte, betroffen seien Bauteile, die in China gefertigt, aber zur Weiterverarbeitung nach Europa geliefert werden sollten. Diese Maßnahme folgt nur wenige Tage, nachdem die niederländische Regierung die Kontrolle über das Unternehmen übernommen hatte, um den Abfluss sensibler Technologien an den chinesischen Mutterkonzern Wingtech zu verhindern.

Der Eingriff Den Haags stützte sich auf ein selten genutztes Gesetz aus dem Jahr 1952, das Warenverfügbarkeitsgesetz, das der Regierung für ein Jahr weitreichende Befugnisse einräumt. So kann sie Unternehmensentscheidungen wie die Verlagerung von Produktionsstandorten oder die Änderung des Managements blockieren. Begründet wurde der Schritt mit dem Schutz nationaler und europäischer Sicherheitsinteressen.

Scharfe Reaktionen aus Peking

Die chinesische Regierung reagierte mit deutlicher Kritik auf die Übernahme und sprach von einem „Akt wirtschaftlichen Banditentums“. Ein Sprecher des Außenministeriums forderte die niederländische Regierung auf, sich „an Marktprinzipien zu halten und wirtschaftliche Fragen nicht zu politisieren“.
Auch die Chinesische Außenhandelskammer in Brüssel bewertete das Vorgehen Den Haags als geopolitisch motiviert. Der Konflikt reiht sich ein in den größeren Technologiestreit zwischen China, den USA und Europa, in dem es um die Kontrolle über Schlüsselindustrien wie Halbleiterproduktion und Hightech-Maschinenbau geht.

Nexperia im Zentrum geopolitischer Spannungen

Das Unternehmen Nexperia mit Hauptsitz in Nimwegen war früher Teil des niederländischen Elektronikkonzerns Philips und später der Chip-Sparte NXP. Im Jahr 2018 übernahm der chinesische Konzern Wingtech das Unternehmen, der inzwischen auf der US-Sanktionsliste steht, weil er nach Ansicht Washingtons amerikanische Sicherheitsinteressen gefährde.
Nexperia fertigt vor allem Leistungshalbleiter für Alltagsgeräte und Fahrzeuge. Jüngst suspendierte ein Amsterdamer Berufungsgericht Geschäftsführer Zhang Xuezheng wegen „begründeter Zweifel an einer soliden Unternehmensführung“. Das verdeutlicht die internen Spannungen im Konzern.

Branchenanalysten warnen vor einer möglichen Eskalation. „Sollte China seine Exportkontrollen ausweiten, könnten ganze Lieferketten in Europa ins Stocken geraten“, sagte ein Industrieexperte. Bereits jetzt berichten mehrere Zulieferer, die Lagerbestände an Chips reichten nur noch für wenige Wochen.

Folgen für die europäische Autoindustrie

Die Auswirkungen des Nexperia-Streits sind für die europäische Automobilbranche erheblich. Nach Angaben des Branchenverbands ACEA sind zahlreiche Hersteller indirekt betroffen, da Nexperia-Chips in vielen elektronischen Fahrzeugmodulen stecken. Selbst wenn Volkswagen keinen direkten Liefervertrag mit Nexperia hat, finden sich die Bauteile in Komponenten, die über Zwischenlieferanten bezogen werden.
In Wolfsburg wächst daher die Sorge vor weiteren Produktionsausfällen, sollten die Handelskonflikte anhalten. Schon während der Pandemie hatte der Chipmangel die Fertigung stark eingeschränkt – dieses Szenario könnte sich nun wiederholen.

Volkswagen betonte zuletzt, man beobachte die Lage „sehr aufmerksam“. Ziel sei es, die Produktion möglichst flexibel zu steuern, um „Lieferketten stabil zu halten und Kundenaufträge fristgerecht zu erfüllen“. Gleichzeitig zeigen die jüngsten Entwicklungen, wie abhängig die europäische Industrie von globalen Halbleiterströmen bleibt – und wie rasch geopolitische Entscheidungen zur Produktionsgefahr werden können.

Europa zwischen Sicherheit und Abhängigkeit

Der Streit um Nexperia steht exemplarisch für den Balanceakt Europas: Die EU will ihre technologische Souveränität ausbauen, bleibt jedoch auf Zulieferungen aus Asien angewiesen. Mit dem Eingriff Den Haags zeigt sich erstmals deutlich, wie weit europäische Staaten gehen, um strategisch relevante Industrien zu schützen.
Sollten ähnliche Fälle zunehmen, könnte das die gesamte europäische Chipindustrie neu strukturieren – mit spürbaren Folgen für Konzerne wie Volkswagen, die auf eine verlässliche Versorgung mit Hochleistungshalbleitern angewiesen sind.

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