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Die überschüssige Liquidität im Euro-Raum ist auf weniger als die Hälfte geschrumpft. Der Geldmarkt zeigt sich bislang stabil. Die DZ Bank sieht die EZB jedoch vor einer entscheidenden Liquiditäts-Bewährungsprobe.
Kurz zusammengefasst:
Im Eurogebiet zirkuliert deutlich weniger überschüssiges Zentralbankgeld als noch vor wenigen Jahren. Laut Christian Reicherter, Analyst der DZ Bank, sank die Überschussliquidität von rund 4.700 Milliarden Euro im November 2022 auf etwa 2.200 Milliarden Euro – damit hat sie sich mehr als halbiert.
Haupttreiber ist die Europäische Zentralbank. Sie fährt ihre zuvor stark ausgeweitete Bilanz zurück. Rückflüsse aus auslaufenden Anleihen werden nicht mehr reinvestiert – so wird schrittweise Zentralbankgeld aus dem Markt abgezogen.
Für Anleger ist das relevant, weil Banken ausreichend Liquidität benötigen, um sich gegenseitig zu finanzieren und ihre Geschäfte stabil zu betreiben. Wird Liquidität knapp, können Geldmarktzinsen stärker schwanken. Im Extremfall drohen Spannungen im Finanzsystem.
Bislang sieht die DZ Bank dafür jedoch keine eindeutigen Hinweise. Die Liquidität ist zwar ungleich verteilt – rund 65 Prozent liegen in Deutschland, Frankreich und Belgien –, dennoch funktioniert die Umverteilung im Euroraum offenbar weiterhin gut.
Auch von den Geldmarktsätzen kommen noch keine Warnsignale. Im besicherten Segment, in dem Kredite gegen Sicherheiten vergeben werden, bleibt die Lage ruhig. Im unbesicherten Bereich zeigt sich ebenfalls kein akuter Stress. Der Abstand zwischen wichtigen kurzfristigen Zinssätzen hat sich zwar vergrößert, doch Reicherter wertet das eher als höhere Sensibilität der Marktteilnehmer gegenüber sinkender Liquidität.
Auch die Banken wirken bislang entspannt. Auf die regulären Geldangebote der Europäischen Zentralbank greifen sie nur selten zurück. Seit Jahresbeginn wurden im Wochentender im Schnitt nur etwa 12 Milliarden Euro abgerufen.
Die Europäische Zentralbank ist vorbereitet: Banken können sich weiterhin unbegrenzt Liquidität über Refinanzierungsgeschäfte sichern, sofern sie ausreichende Sicherheiten stellen. Zudem wurde der Abstand zwischen Einlagezins und Hauptrefinanzierungssatz von 50 auf 15 Basispunkte verringert. Das macht die Aufnahme von Zentralbankkrediten attraktiver.
Künftig könnte ein neuer längerfristiger Tender hinzukommen. Damit könnten Banken Liquidität über einen längeren Zeitraum festschreiben. Die genaue Ausgestaltung ist offen; die DZ Bank hält eine Laufzeit von rund 12 Monaten für plausibel.
Der Handlungsdruck für die Europäische Zentralbank steigt nach Einschätzung Reicherters jedoch erst, wenn Banken deutlich stärker auf diese Angebote zugreifen. Davon ist derzeit nichts zu sehen.
Hinweis für Anleger
Die Liquidität im Euro-Raum nimmt spürbar ab, der Geldmarkt bleibt jedoch stabil. Kritisch dürfte es erst werden, wenn Banken wieder deutlich mehr Mittel von der EZB benötigen.
Autor: Nicolas Ebert, sbh-Redaktion
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