In der Regel gelten Gold und Silber als Gewinner in Krisenzeiten. Ausgerechnet der Nahost-Krieg hat die Edelmetallpreise zuletzt jedoch unter Druck gesetzt. Woran liegt das?
Die beiden starken Edelmetalle bleiben 2026 im Fokus zahlreicher Anleger. Einige Marktbeobachter gehen davon aus, dass Gold und der „kleine Bruder“ Silber nach einem möglichen Ende des Nahost-Konflikts wieder anziehen könnten.
Die jüngste Eskalation im Nahen Osten wirkte zeitweise belastend auf die Edelmetalle. Der Iran ist geopolitisch Teil dieser Region – einem zentralen Ölproduzenten, der für die Energieversorgung und damit für die globale Stabilität eine bedeutende Rolle spielt.
Tobias Kascha ist seit mehr als zehn Jahren in der Edelmetallbranche aktiv und als Händler tätig. Er gehört zu unserem Expertennetzwerk EXPERTS Circle.
Warum der Nahost-Krieg Gold- und Silberpreise belastet
Traditionell gelten Gold und Silber als sichere Häfen – insbesondere in Phasen geopolitischer Unsicherheit. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran führte an den Finanzmärkten jedoch zu teils überraschenden Reaktionen.
Deutlich steigende Ölpreise schürten die Sorge vor erneut anziehender Inflation. Gleichzeitig legten der US-Dollar und die Renditen amerikanischer Staatsanleihen zu – ein Gegenwind für Edelmetalle.
Allen voran geriet Gold dadurch unter Druck. Investoren fürchten, die US-Notenbank könnte geplante Zinssenkungen verschieben oder die Geldpolitik erneut straffen. Für Edelmetalle, die keine laufenden Erträge abwerfen, ist das problematisch.
Steigende Anleiherenditen erhöhen den Druck auf Gold und Silber zusätzlich. Ein starker Dollar verteuert obendrein den Edelmetallkauf für Käufer außerhalb des Dollarraums.
Schon vor dem Ausbruch des Konflikts hatten beide Metalle eine ungewöhnlich starke Rally hinter sich: 2025 kletterte der Goldpreis um mehr als 60 Prozent, Silber legte sogar über 150 Prozent zu. Manche Experten sprachen von einem überhitzten Markt.
Anschließend nutzten viele Goldfreunde die Hochs für Gewinnmitnahmen. Das führte zu ausgeprägten Kursschwankungen – für beide Metalle eher untypisch.
Das spricht für steigende Edelmetallkurse
Kommt es bald zu einem stabilen Frieden in der iranischen Kriegsregion, könnten jene Kräfte zurückkehren, die Gold und Silber auf Rekordstände getrieben hatten.
Dazu zählt vor allem die Hoffnung auf sinkende Zinsen. Entspannungssignale im Nahen Osten hatten bereits die Ölpreise gedrückt. Ein Umfeld niedriger Zinsen gilt als Rückenwind für Edelmetalle.
Zudem stocken viele Zentralbanken weltweit ihre Goldreserven weiter auf – vor allem, um die Abhängigkeit vom Dollar zu verringern. Große Investoren suchen parallel nach Sachwerten, die mittel- bis langfristig vor höherer Inflation und zunehmender Staatsverschuldung schützen.
Bei Silber kommen wichtige Industrieargumente hinzu. Trend- und Zukunftsbranchen treiben die Nachfrage, insbesondere Photovoltaik und Solarenergie sowie die Medizintechnik. Der größte Bedarf entfällt auf China – der Staat hat entsprechend enorme Mengen importiert.
Silber: Nachfrage höher als Angebot
Analysten sehen die globale Silberverfügbarkeit weiterhin stark beansprucht. Ihrer Einschätzung nach dürfte der Silbermarkt in diesem Jahr bereits das fünfte Defizit in Folge verzeichnen. Die Mischung aus begrenztem Angebot und robuster Nachfrage spricht perspektivisch für steigende Preise.
Silber und Gold werden voraussichtlich auch künftig auf geopolitische Spannungen, Zinsentwicklungen und die Inflationslage reagieren. Gerade Silber, oft als „Gold des kleinen Mannes“ bezeichnet, dürfte durch viele Marktschwankungen geführt werden.
Zentrale Bausteine des Risikomanagements
Gold und Silber sind wichtige Elemente, um Risiken zu steuern und das eigene Portfolio abzusichern. Kurzfristig sollten Anleger jedoch weiterhin mit kräftigen Schwankungen rechnen.
Ein Senior-Analyst bringt es auf den Punkt: Kommen Gespräche voran und wird ein Friedensabkommen erzielt, dürfte Gold dennoch gut unterstützt bleiben; in der Folge würden die Ölpreise weiter nachgeben.
Auf längere Sicht spricht vieles dafür, dass der Preistrend von Gold und Silber moderat aufwärts gerichtet bleibt. Ein – wünschenswerter – Frieden im Iran dürfte auf die Edelmetallpreise vermutlich nur kurzzeitig und begrenzt wirken.
Diese Entwicklung wäre nur ein kleines Teil im globalen Krisenpuzzle. Die großen Treiber bleiben Geldpolitik und weitere weltweite Risiken.