Merz’ außen- und sicherheitspolitischer Berater Günter Sautter blieb demnach als eine Art Moderator im Raum. Zuvor hatte Merz am Nachmittag im Kanzleramt die US-Delegation empfangen, die vom Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, angeführt wurde. Wenige Minuten später traf Selenskyj ein. Merz begrüßte den ukrainischen Präsidenten herzlich und umarmte ihn.
Zur Delegation von Selenskyj gehörten Ex-Verteidigungsminister Rustem Umjerow sowie Generalstabschef Andrij Hnatow. Umjerow ist Selenskyjs Chefunterhändler und zugleich Sekretär des Rates für Nationale Sicherheit und Verteidigung der Ukraine. Es wurde damit gerechnet, dass die Beratungen in Berlin bis in den späten Abend dauern könnten. Selenskyj will mit Witkoff vor allem seine jüngsten Vorschläge zu Trumps Friedensplan besprechen.
Wirtschaftsdialoge und Treffen mit europäischen Partnern
Unklar blieb zunächst, ob und in welchem Format die Beratungen zwischen US-Vertretern und Ukrainern am Montag fortgeführt werden. Dies hänge stark vom Verlauf der aktuellen Gespräche ab, hieß es aus Regierungskreisen. Für Montagnachmittag war ein gemeinsamer Auftritt von Merz und Selenskyj bei deutsch-ukrainischen Wirtschaftsgesprächen geplant. Am Abend hatte Merz zudem europäische Staats- und Regierungschefs ins Kanzleramt eingeladen, um über den Stand der Gespräche zu beraten. Aus Moskau kommt Kritik an den Beratungen in Berlin.
Die US-Delegation hatte bereits am Vormittag Gespräche in einem Berliner Hotel geführt. Der ukrainische Unterhändler Umjerow fuhr gemeinsam mit Sautter zu jenem Hotel, in dem die US-Delegation zuvor Quartier bezogen hatte.
Gespräche zunächst auf Ebene der Berater
Geplant war, dass die zwischen den USA und der Ukraine geführten Gespräche über ein Ende des russischen Angriffskriegs zunächst mit europäischer Beteiligung auf Berater-Ebene und unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiterlaufen. Welche konkreten Vorschläge aktuell vorliegen, ist bisher nicht öffentlich bekannt.
Bei seinem Treffen in Berlin mit Witkoff will Selenskyj vor allem seine jüngsten Änderungsanträge zu Präsident Donald Trumps Friedensplan erörtern. Auf Nachfragen von Journalisten erklärte er laut ukrainischen Medien, er habe bislang keine US-Reaktion auf seine neuesten Vorschläge erhalten. Zuvor hatte Selenskyj betont, die Ukraine sehe sich in einer starken Verhandlungsposition.
Selenskyj: Plan muss fair und wirksam sein
Ein Friedensplan werde nicht allen gefallen, sagte Selenskyj. Es gebe Kompromissangebote. „Am Allerwichtigsten ist, dass der Plan so gerecht wie möglich ist, insbesondere für die Ukraine. Entscheidend ist, dass er wirksam ist“, erklärte er. Da nicht alle eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine befürworteten, gebe es einen Kompromissvorschlag für Sicherheitsgarantien gegen neue russische Angriffe. Details nannte er nicht.
Auch der amerikanische Vier-Sterne-General Alexus Grynkewich reiste nach Berlin. Nach Angaben seines Sprechers kam der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa als hochrangiger Vertreter des US-Militärs, um den US-Unterhändlern militärischen Rat zu geben – im Rahmen von Präsident Trumps Bemühungen um Frieden.
Anfang Dezember hatte sich Witkoff mit Russlands Präsident Wladimir Putin getroffen. Putin zeigte sich im Anschluss zwar weiterhin zu Verhandlungen bereit, betonte jedoch, Russland habe auf dem Schlachtfeld die strategische Initiative – und könne seine Kriegsziele notfalls auch militärisch durchsetzen, falls eine diplomatische Einigung scheitere.
Kreml blickt skeptisch auf das Berliner Treffen
Moskau sieht die Verhandlungen eher kritisch. Die Beiträge der Europäer und der Ukraine zum Friedensplan von US-Präsident Donald Trump würden „wohl kaum konstruktiv sein“, sagte Juri Uschakow, außenpolitischer Berater von Kremlchef Wladimir Putin, vor Beginn der Gespräche in Berlin im russischen Staatsfernsehen.
„Darin liegt das Problem“, so Uschakow. Zugleich lobte er, dass die US-Seite die russische Position verstehe. Er machte deutlich, dass Russland insbesondere an seinen territorialen Forderungen für eine friedliche Lösung des Konflikts festhalte. Moskau verlangt, dass Kiew seine Truppen auch aus jenen Teilen des umkämpften Donbass abzieht, die Russland bislang nicht erobern konnte und die weiterhin von der Ukraine kontrolliert werden.
Kreml: Amerikaner verstehen russische Position
Russland lehne Änderungen an Punkten zu Gebietsfragen ab, sagte Uschakow. „Die Frage der Gebiete wurde insgesamt in Moskau intensiv diskutiert. Die Amerikaner kennen nicht nur unsere Position, sie verstehen sie auch“, erklärte Uschakow, der unter anderem mit Witkoff und Putin rund fünf Stunden über Trumps Friedensplan gesprochen hatte.
Die US-Regierung hatte auf Betreiben von Präsident Donald Trump im November einen Friedensplan vorgelegt, über den seither in mehreren Runden verhandelt wurde. Trump fordert von der Ukraine, einem Abkommen zuzustimmen. Er sieht das von westlicher Unterstützung abhängige Land militärisch im Nachteil gegenüber dem Angreifer Russland.
Was nach den Konsultationen zwischen Ukrainern und Europäern nun in dem Plan steht, sei Russland bislang nicht bekannt, sagte Uschakow. „Es wird wohl kaum etwas Gutes sein“, meinte er. Seine jetzt veröffentlichten Aussagen waren bereits am Freitag aufgezeichnet worden./bk/DP/he