FRANKFURT (dpa-AFX) – Der Dax hat am Dienstag einen Teil seiner jüngsten Gewinne wieder abgegeben. Vor dem Hintergrund der angespannten Lage im Iran-Konflikt fielen die Gewinnmitnahmen jedoch moderat aus. Zugleich warnte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, dass erneut Zweifel an einer raschen und reibungslosen Einigung der Konfliktparteien aufkommen. Auch die Experten von Index-Radar sehen die Grundlage dieser Rally weiterhin als fragil an.
Für dich zusammengefasst:
Am frühen Nachmittag lag der wichtigste deutsche Aktienindex 0,50 Prozent im Minus bei 25.261 Punkten. Für den MDax, der mittelgroße Börsenwerte umfasst, ging es um 0,36 Prozent auf 32.691 Punkte nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 büßte 0,7 Prozent ein.
Am Pfingstmontag hatte der Dax, getragen von der anhaltenden Hoffnung auf ein baldiges Ende des Iran-Konflikts, erneut die Marke von 25.000 Punkten überschritten und war in der Spitze bis auf 25.438 Punkte gestiegen. Das Rekordhoch aus dem Januar bei 25.507 Punkten rückte damit in Reichweite. Ohne Impulse von der wegen des Feiertags geschlossenen Wall Street reichte es jedoch nicht für eine neue Bestmarke.
Die freundliche Tendenz an den asiatischen Börsen vom Vortag lieferte nur gemischte Signale, während sich in den USA nach dem langen Wochenende ein robuster Handelsauftakt abzeichnete. Deutlich gefallene Ölpreise drehten derweil wieder nach oben, nachdem das US-Militär trotz Waffenruhe im Iran Raketenstellungen angegriffen und im Bereich der Straße von Hormus Boote attackiert haben soll, die laut US-Angaben Minen in der Meerenge verlegen wollten.
In einem von Gewinnmitnahmen geprägten Umfeld gerieten die zuvor stark gelaufenen Technologiewerte – darunter auch Infineon (Infineon Aktie) – etwas unter Druck. Mit zuletzt minus 0,7 Prozent auf 76,17 Euro zählten die Papiere zu den schwächeren Werten im Dax. MWB Research erhöhte zwar das Kursziel von 58 auf 60 Euro, strich jedoch die Halteempfehlung und rät nun zum Verkauf. Analyst Abed Jared erkennt klare Verbesserungen bei den Fundamentaldaten, sieht diese jedoch im Kurs bereits eingepreist – die Aktie notiere deutlich über seinem angepassten Ziel, betonte er.
Auch weitere Analystenkommentare bewegten die Kurse. Beim Dax-Konzern Merck mussten Investoren nach der jüngsten Erholung ein Minus von 1,5 Prozent auf 128 Euro hinnehmen. Über das Bewertungsniveau gibt es unterschiedliche Auffassungen: Während James Vane-Tempest von der Investmentbank Jefferies die Aktie nun mit einem Kursziel von 129 Euro neu auf “Hold” setzt, hält JPMorgan-Analyst Richard Vosser sie weiterhin für unterbewertet.
Für Wacker Chemie bedeutete ein Rückgang um 3,2 Prozent auf 97,50 Euro einen der hinteren Plätze im MDax. Zwar hob die Schweizer Großbank UBS das Kursziel von 84 auf 104 Euro an, stufte die nach der deutlichen Erholung zuletzt aber von “Buy” auf “Neutral” herab. Der verbleibende Spielraum sei begrenzt, begründete Christian Bell seine Neubewertung. Zeitpunkt und Ausmaß einer weiteren Erholung der Gewinne seien schwer vorhersehbar; vor diesem Hintergrund seien die Papiere zunächst fair bewertet.
Die deutliche Senkung des Kursziels durch Jefferies für Grand City Properties und die Streichung der Kaufempfehlung kostete die Aktie rund ein Prozent. Branchenexperte Pierre-Emmanuel Clouard sieht bei einigen europäischen Immobilienwerten attraktive Einstiegsgelegenheiten, bemängelt bei Grand City jedoch die geringe Aktienliquidität nach der Anteilsaufstockung durch Großaktionär Aroundtown sowie anhaltenden Ergebnisdruck./gl/stk
— Bericht von Gerold Löhle, dpa-AFX —
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