Das neue Altersvorsorge-Depot will die private Vorsorge in Deutschland grundlegend verändern. Warum viele Sparer dennoch zögern – und welche drei Hürden dem Start des Modells im Weg stehen.
Als Teil der Finanztip-Community ist Ihnen das Altersvorsorge-Depot (AV-Depot) vermutlich bekannt. Es soll die staatlich geförderte private Vorsorge vereinfachen und Riester ablösen. Die ernüchternde Realität: Im deutschlandweiten Vergleich gehören Sie damit zur Minderheit.
57 Prozent der Menschen in Deutschland kennen das AV-Depot nicht. Nur 36 Prozent sagen, sie kennen es – der Rest ist unsicher. Das zeigt eine repräsentative Umfrage unter 5000 Personen von Ende Mai bis Mitte Juni 2026, die Civey im Auftrag von Finanztip durchgeführt hat.
Auch unter denjenigen, die es (wie Sie) kennen, überwiegt jedoch die Skepsis. Nur etwa ein Drittel dieser Gruppe kann sich vorstellen, das AV-Depot tatsächlich zu nutzen. Dahinter stecken vor allem zwei Gründe:
1. Sorge vor künftigen Regeländerungen
38 Prozent befürchten, dass der Staat im Nachhinein die Spielregeln anpasst – etwa bei Förderung oder Besteuerung.
2. Vertrauensverlust durch Riester
Für 35 Prozent wurzelt die Skepsis in den Erfahrungen mit der Riester-Rente – sie hat das Vertrauen in staatlich geförderte, private Altersvorsorge geschwächt.
Viele Riester-Verträge erfüllten die Erwartungen nicht – vor allem wegen hoher Gebühren. Genau solche Kosten befürchten auch 33 Prozent der Befragten in der Finanztip-Umfrage.
Keine Scheu vor Aktien
Die gute Nachricht: Vor der Börse haben die Menschen in Deutschland offenbar keine große Angst. 43 Prozent der Befragten nennen Aktien-ETFs als wichtigsten Grund für die Nutzung des AV-Depots. Für 41 Prozent ist es die staatliche Förderung.
Und für 40 Prozent ist die bessere Renditechance gegenüber der Riester-Rente ein zentrales Plus. Denn beim AV-Depot gibt es keine Garantie. Das heißt: Am Ende kann auch weniger herauskommen, als eingezahlt wurde. Solche Schwankungen gehören am Kapitalmarkt dazu.
Ohne Garantie = höhere Renditechancen
Das klingt zunächst unsicher, hat aber einen wichtigen Vorteil: Garantien kosten Rendite, weil Anbieter – wie bei Riester – sehr sicherheitsorientiert anlegen. Das drückt langfristig deutlich die Erträge und führt zu Frust.
Darf Ihr AV-Depot bis zum Rentenbeginn auch zwischenzeitlich im Minus sein, können Sie mit etwas mehr Risiko investieren – und erhöhen langfristig die Chancen auf Rendite deutlich.
- Sie sind Jahrgang 1990 und haben ein Kind, das 2020 geboren wurde.
- Ihr Bruttojahreseinkommen beträgt 35.000 Euro, und Sie zahlen monatlich 150 Euro in die Altersvorsorge ein.
- Beim AV-Depot rechnen wir mit 5,8 Prozent Rendite p. a.: 6 Prozent Rendite p. a. minus 0,2 Prozent jährliche Kosten.
- Bei Riester haben Sie bereits 10.800 Euro Guthaben. Die Rendite liegt bei 1,5 Prozent p. a.: 2 Prozent Rendite p. a. minus 0,5 Prozent jährliche Kosten.
- Mit einem Riester-Vertrag kommen Sie am Ende auf knapp 71.000 Euro nach Steuern. Beim AV-Depot sind es deutlich mehr: 201.000 Euro, ebenfalls nach Steuern.
Der ursprüngliche Beitrag erschien bei Finanztip.