Die Halbleiterbranche boomt und boomt und boomt …
Angetrieben von Investitionen in Milliardenhöhe erlebt die Halbleiterindustrie den wohl stärksten Aufschwung ihrer Geschichte. Wie der Branchenverband Semiconductor Industry Association (SIA) jüngst meldete, stiegen die weltweiten Chipverkäufe im dritten Quartal auf 208,4 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 15,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Branche steuert damit auf ein weiteres Rekordjahr zu. Bis 2027 rechnet die SIA mit globalen Umsätzen von über 725 Milliarden US-Dollar.
Zu den Haupttreibern dieses Booms zählt der taiwanische Auftragsfertiger Taiwan Semiconductor, die mit Abstand größte unabhängige Chipfabrik der Welt. Vor allem Bestellungen von AMD, Broadcom und Nvidia sorgen für Rekordwachstum und kräftige Gewinne.
… doch nicht alle profitieren gleichermaßen
Hinter dem Branchenprimus gibt es kleinere, aber dennoch aussichtsreiche Foundries wie United Microelectronics, Tower Semiconductor (TSMC) und GlobalFoundries – 2009 aus der Fertigungssparte von AMD hervorgegangen. Seither agieren AMD und auch Nvidia (Nvidia Aktie) „fabless“, also ohne eigene Chipproduktion.
Im Gegensatz zu TSMC produziert GlobalFoundries technologisch weniger hochentwickelte Halbleiter, die vor allem in Industrieanwendungen, Fahrzeugen und Haushaltsgeräten eingesetzt werden. In diesen Bereichen liefen die Geschäfte in den vergangenen Jahren verhalten, was sich in rückläufigen Umsätzen und Gewinnen niederschlug.
Inzwischen scheint die Talsohle jedoch durchschritten. Die am Mittwoch vorgelegten Quartalszahlen nähren die Zuversicht – auch mit Blick auf die weiterhin moderat bewertete Aktie.
GlobalFoundries steigert Gewinn trotz rückläufiger Umsätze
Gegenüber dem Vorjahresquartal sanken die Erlöse um 2,9 Prozent auf 1,69 Milliarden US-Dollar. Immerhin lag der Wert damit 10 Millionen US-Dollar über den Erwartungen. Besonders Chips für Kommunikationsinfrastruktur und Rechenzentren waren laut CEO Tim Breen gefragt – GlobalFoundries profitiert damit zunehmend vom KI-Boom.
Der bereinigte Gewinn je Aktie betrug wie vor zwölf Monaten 0,41 US-Dollar und übertraf die Prognosen um 3 Cent. Der Nettogewinn legte um rund 10 Prozent auf 249 Millionen US-Dollar zu, was einer Nettomarge von 14,7 Prozent entspricht (TSMC: 43,3 Prozent).
Wachstums-Comeback in Sicht
Für das kommende Quartal stellt das Unternehmen eine Belebung in Aussicht und peilt Umsätze von 1,8 Milliarden US-Dollar (Mittelpunkt der Spanne) an. Dazu sollen auch Galliumnitrid-Halbleiter beitragen, für deren Fertigung GlobalFoundries Lizenzen von TSMC erworben hat. Diese gelten als besonders robust.
Der Gewinn je Aktie soll bei 0,47 US-Dollar (±0,05 US-Dollar) liegen und damit über dem Vorjahreswert – ein Hinweis auf operative Verbesserungen.
Aktie prallt an 200-Tage-Linie ab, Trend bleibt konstruktiv
Anlegerinnen und Anleger reagierten teils erleichtert, teils hoffnungsvoll. Die am Donnerstag zwischenzeitlich erzielten Kursgewinne konnte die Aktie jedoch nicht halten und scheiterte erneut am Ausbruch über die 200-Tage-Linie.
Damit besteht die Underperformance im Jahresverlauf vorerst fort: Seit Jahresbeginn hat GlobalFoundries rund 20 Prozent verloren. Angesichts bullisher Divergenzen in den technischen Indikatoren nimmt die Chance auf eine Trendwende jedoch täglich zu.
Zusätzlichen Halt liefert die 50-Tage-Linie, die sich zuletzt als verlässliche Unterstützung erwiesen hat. Der Trendindikator MACD hat sich über die Nulllinie vorgearbeitet und signalisiert einen zarten Aufwärtstrend, der bald einen neuen Anlauf über die 200-Tage-Linie ermöglichen könnte. Ein nachhaltiger Ausbruch dürfte die Wende beschleunigen.
GlobalFoundries punktet mit attraktiver Bewertung
Eine Aufholbewegung erscheint auch aus fundamentaler Sicht plausibel. Für das laufende Geschäftsjahr wird die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21,0 gehandelt, für 2026 wird ein KGV von 17,8 erwartet. Beides liegt klar unter dem Branchenschnitt (24,3) und dem Fünfjahresmittel (27,2) – ein Hinweis auf Unterbewertung.
Auch beim Kurs-Buch-Verhältnis (KBV) und Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) überzeugt GlobalFoundries: Der Kurs liegt nur beim 1,6-Fachen des Buchwerts (Branche: 3,7). Das KCV beträgt 6,3 – das entspricht einer starken Cashflow-Rendite von 15,9 Prozent und einem Abschlag von fast 70 Prozent gegenüber der Peergroup.
Eine Dividende zahlt GlobalFoundries derzeit nicht. Die hohen Mittelzuflüsse fließen direkt in den Schuldenabbau und stärken das Nettovermögen, das zuletzt bei 2,5 Milliarden US-Dollar lag – eine Basis, die schon bald ein Aktienrückkaufprogramm ermöglichen könnte und den Kurs zusätzlich stützen dürfte.
Fazit: Attraktiv für preisbewusste Anlegerinnen und Anleger
Unter Expertinnen und Experten überwiegt noch die Zurückhaltung; eine knappe Mehrheit rät zum Halten. Das muss kein Nachteil sein – es eröffnet Spielraum für eine Neubewertung, sobald die Geschäftszahlen entsprechende Impulse liefern.
Der Median der fairen Werte liegt aktuell bei 39,24 US-Dollar und impliziert damit rund 15 Prozent Potenzial. So oder so: Für Investorinnen und Investoren gibt es hier Chancen. Wer hohe Sektorbewertungen meiden, aber dennoch am KI- und Halbleiterboom partizipieren möchte, findet in GlobalFoundries eine interessante Option.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross