US-Staatsanleihen werfen die höchsten Renditen seit 19 Jahren ab. Das macht Finanzierungen teurer, setzt Gold unter Druck und zwingt teuer bewertete Aktien in einen heiklen Vergleich.
- Anleihen: Renditen auf Höchstständen seit Jahren
- Notenbanken: Die Zinswende greift um sich
- Öl: Raketenangriffe befeuern den Preis
- US-Dollar: Höchstes Niveau seit Juli
- Asien: Feiertage bremsen den Handel
- Dax: In der Handelsspanne gefangen
- Wall Street: Die Rallye verliert Breite
- Gold: Der starke US-Dollar belastet
- Fazit
Der anhaltende Ausverkauf bei Anleihen versetzt die Börsen rund um den Globus in Spannung. Getrieben von Inflationsängsten und angespannten Staatsfinanzen fordern Investoren für langlaufende Staatsanleihen zunehmend höhere Verzinsungen. Das treibt Kreditkosten nach oben und belastet die ambitionierten Aktienbewertungen. Dennoch blieben Asiens Börsen am Freitag gelassen, meldet die Nachrichtenagentur Reuters.
Anleihen: Renditen auf Höchstständen seit Jahren
Innerhalb von zwei Tagen kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um 20 Basispunkte auf 5,23 Prozent – so hoch wie seit 19 Jahren nicht mehr. 30-jährige Titel warfen 5,50 Prozent ab, zuletzt 2004 erreicht. Die Hypothekenzinsen in den Vereinigten Staaten stiegen auf sieben Prozent und lähmen den Immobilienmarkt. In Japan erreichte die Verzinsung zehnjähriger Staatsanleihen 3,12 Prozent, den höchsten Stand seit 1996.
Nigel Green, Chef der Finanzberatung deVere Group, warnt, die Signale der globalen Anleihemärkte seien unüberhörbar und Ignoranz könne teuer werden. Sobald risikofreie Zinsen in der größten Volkswirtschaft der Welt über fünf Prozent liegen, müsse sich jede Anlage daran messen lassen.
Notenbanken: Die Zinswende greift um sich
Die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat in der Vorwoche nach über drei Jahren erstmals wieder die Zinsen erhöht. Für einen weiteren Schritt im Oktober taxieren die Terminmärkte nun eine Wahrscheinlichkeit von 71 Prozent, nach 53 Prozent zu Wochenbeginn. Insgesamt ist eine zusätzliche Straffung von mehr als 90 Basispunkten eingepreist – fast vier weitere Anhebungen. Andere Zentralbanken folgen: Norwegen erhöhte am Donnerstag, Schweden stellt bis zum Jahresende einen weiteren Schritt in Aussicht.
Öl: Raketenangriffe befeuern den Preis
Zusätzlichen Schub liefert der Ölpreis. Über Nacht sprang die Nordseesorte Brent um drei Prozent, nachdem die Huthi-Miliz Saudi-Arabien mit Raketen attackiert hatte. Am Freitag gab der Preis um 0,8 Prozent auf 105,75 US-Dollar je Barrel nach. Hoffnung macht nur, dass die Vereinigten Staaten und der Iran Berichten zufolge eine schrittweise Öffnung der Straße von Hormus erwägen.
US-Dollar: Höchstes Niveau seit Juli
Die Aussicht auf höhere Zinsen stützt den Dollar. Gegenüber einem Korb wichtiger Währungen legte er in dieser Woche um ein Prozent auf 101,25 Punkte zu – der höchste Stand seit Ende Juli. Der Euro kostete zuletzt 1,1370 US-Dollar und gab binnen zweieinhalb Wochen gut zweieinhalb Cent nach. Das helfe dem deutschen Export auf die Sprünge, sagt Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Asien: Feiertage bremsen den Handel
In Asien blieb es ruhig, denn Festlandchina, Taiwan und Südkorea hatten wegen eines Feiertags geschlossen. Der japanische Nikkei gewann ein Prozent. In Australien gaben die rohstofflastigen Werte 0,6 Prozent nach, der Hang Seng in Hongkong verlor ein Prozent. Kaum Impulse liefert der Besuch von Chinas Präsident Xi Jinping in Washington. Durchbrüche bei Handel, Taiwan oder dem Iran-Konflikt zeichnen sich nicht ab.
Dax: In der Handelsspanne gefangen
Der Dax schloss am Donnerstag 0,6 Prozent tiefer bei 25.267 Punkten. Stanzl sieht erste Entspannung: Die Anleihen stabilisierten sich etwas, weil die Ölpreise nachgeben. Das sei jedoch nur eine Momentaufnahme, die sich rasch ändern könne. Der Leitindex pendelt in einer Handelsspanne gut fünf Prozent unter seinem Rekordhoch von Ende August. Obwohl sich die Konjunkturprognosen für Deutschland aufhellen, bleibt der Dax hinter der Wall Street zurück.
Wall Street: Die Rallye verliert Breite
Dort bröckelt nach Einschätzung von Stanzl allerdings das Fundament. Zwar überschritt der Chipkonzern AMD in dieser Woche erstmals einen Börsenwert von einer Billion US-Dollar. Doch nur noch 30 Prozent der Aktien im S&P 500 notieren über ihrer 50-Tage-Linie – halb so viele wie vor drei Wochen. Als der Index am Montag ein Rekordhoch erreichte, zogen nur sieben Aktien mit; viermal so viele markierten neue Jahrestiefs.
Gold: Der starke US-Dollar belastet
Gold steht wegen des festen Dollars und der steigenden Renditen unter Druck. Die Feinunze verbilligte sich am Freitag auf 4270,83 US-Dollar und steuert auf einen Wochenverlust von mehr als zwei Prozent zu. Kelvin Wong, Marktanalyst beim Devisenhändler OANDA, betont, dass eine deutlich restriktivere Notenbank den Dollar stärkt und Gold belastet. Joshua Rotbart vom Edelmetallhändler J. Rotbart & Co. bleibt dagegen optimistisch: Geopolitische Spannungen und wachsende Staatsschulden sorgten für stetige Nachfrage.
Fazit
Derzeit geben die Anleiherenditen an allen Märkten den Takt vor. Solange Öl teuer bleibt und die Notenbanken straffen, drohen Rückschläge bei Aktien und Gold. Stanzl erinnert an den Präsidentschaftszyklus: Vor den Zwischenwahlen im November kommt es im Schnitt zu einer Korrektur; anschließend folgten historisch die besten zwölf Monate des Vierjahreszyklus. Wer investiert ist, sollte Schwankungen einplanen. Wer Geld an der Seitenlinie hat, kann Rücksetzer schrittweise zum Einstieg nutzen.