Die Rentenkommission strebt in Deutschland eine Nettoersatzquote von 70 Prozent an. In China und Mexiko überschreitet sie für bestimmte Rentnergruppen bereits 100 Prozent.
Die Alterssicherungskommission schlägt in ihrem Bericht vor, dass sich die Bundesregierung künftig an der Nettoersatzquote ausrichten sollte. Sie beschreibt, wie hoch die Nettorente im Verhältnis zum letzten Nettoeinkommen vor dem Ruhestand ausfällt. Als Zielwert wird eine Nettoersatzquote von 70 Prozent genannt.
Wer heute 2500 Euro netto verdient, erhielte demnach eine Nettorente von 1750 Euro. Wichtig: Gemeint ist nicht ausschließlich die gesetzliche Rente. Eingerechnet werden sämtliche Rentenarten, also auch betriebliche und private Altersvorsorge.
Deutschland verfehlt die Zielmarke
Aktuelle Modellrechnungen für künftige Rentner zeigen, dass Deutschland klar unter dieser Zielmarke bleibt. Die OECD weist in ihrem Bericht „Pensions at a glance“ für 2025 eine Nettoersatzquote von 53,3 Prozent aus. Damit rangieren wir auf Platz 31 von 45 betrachteten Staaten. Der Durchschnitt der Gemeinschaft liegt bei 63,2 Prozent. In der EU beträgt er im Mittel rund 68 Prozent.
Die genannte OECD-Statistik bezieht sich jedoch ausschließlich auf obligatorische Rentensysteme. In Deutschland ist das derzeit nur die gesetzliche Rente. Nach den Vorschlägen der Kommission könnte künftig die Aktienrente dazukommen. In anderen Ländern, etwa den Niederlanden, sind auch betriebliche Renten verpflichtend und werden entsprechend hinzugerechnet.
Besserverdiener schneiden besser ab
Die private Altersvorsorge bleibt dabei unberücksichtigt. Hierzu existieren für deutlich weniger Länder Daten, da solche Einzahlungen nicht automatisch amtlich erfasst werden. In Deutschland erhöht sich die Nettoersatzquote dadurch auf 68 Prozent. Im weltweiten Vergleich ist das dennoch überschaubar: Von elf Ländern, die die OECD in der 2025er-Statistik aufführt, landen wir damit auf Rang acht.
Die konkreten Quoten variieren zudem mit der Einkommenshöhe. Die genannten Werte gelten für Durchschnittsverdiener und setzen ein durchgängiges Erwerbsleben vom 22. Geburtstag bis zum jeweiligen Renteneintrittsalter voraus. In Deutschland entspricht das derzeit 67 Jahren. Wer nur die Hälfte des Durchschnittseinkommens bezieht, kommt hierzulande auf 58 Prozent ohne und 72 Prozent mit privater Altersvorsorge. Was gut klingt, bleibt im internationalen Vergleich jedoch schwach: Ohne private Vorsorge ist das nur Platz 36, mit privater Vorsorge Platz 9.
Bei Besserverdienern mit doppeltem Durchschnittseinkommen zeigt sich der gegenteilige Effekt. Ihre Nettoersatzquote sinkt auf rund 39 Prozent ohne private Altersvorsorge und 53 Prozent mit privater Altersvorsorge. International entspricht das jedoch Rang 31 beziehungsweise Rang 5.
An der Spitze liegen diese Länder:
Mexiko
Das lateinamerikanische Land führt bei den Renten für Geringverdiener. Sie erhalten hier 132 Prozent ihres letzten Nettogehalts. Da private Vorsorge vor allem für Besserverdiener eine Rolle spielt, gilt das sowohl mit als auch ohne diese. Mexiko steht damit in beiden Kategorien an erster Stelle.
Auslöser für die hohe Quote ist eine Rentenreform aus dem Jahr 2024. In Mexiko gibt es seitdem zur kapitalgedeckten Rente einen Zuschlag in Höhe des letzten Nettolohns bis zur Obergrenze des aktuellen Durchschnittslohns. Wer zuvor darunter lag, erhält die Differenz vom Staat erstattet. Das gilt jedoch brutto. Weil Steuern und Abgaben für Rentner niedriger sind als für Erwerbstätige, ergibt sich daraus netto eine Ersatzquote von über 100 Prozent. Finanziert wird das aus Steuermitteln.
China
In China liegen die Nettoersatzquoten ohne private Altersvorsorge zwischen 91 und 130 Prozent und nehmen mit steigendem Einkommen ab. Damit zählt das Land in allen Einkommenskategorien zu den drei höchsten Quoten. Grundlage ist ein besonderes System.
Die erste Säule ist eine steuerfinanzierte Basisrente. Sie ergibt sich aus dem Durchschnitt des aktuellen Durchschnittslohns einer Provinz und dem indexierten Anteil des eigenen Lohns aus dem Erwerbsleben. Wer beispielsweise im Schnitt 50 Prozent des Durchschnittslohns erzielt hat, läge mit der Basisrente bei 75 Prozent des aktuellen Durchschnittslohns. Wer das Doppelte des Durchschnittslohns verdient hat, käme auf 150 Prozent des aktuellen Durchschnittslohns.
Davon wird pro Beitragsjahr ein Prozentpunkt gutgeschrieben. Wer 40 Jahre gearbeitet hat, erhält also 40 Prozent seiner Basisrente pro Monat. Das allein kann bei Menschen mit niedrigem Einkommen bereits mehr als 60 Prozent ihres letzten Arbeitslohns ausmachen.
Hinzu kommt ein individuelles Rentenkonto mit einem Beitragssatz von acht Prozent des Bruttolohns. Aus diesem Topf wird eine Zusatzrente gezahlt. So erreichen Menschen mit geringem Einkommen auch hier eine Nettoersatzquote von über 100 Prozent.