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finaktien.de > Blog > Lebensstil > Deutschland im Schuldensog – Regierung legt Milliardenpaket vor
Lebensstil

Deutschland im Schuldensog – Regierung legt Milliardenpaket vor

Last updated: November 16, 2025 1:26 am
Klaus Meyer
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Deutschland im Schuldensog – Regierung legt Milliardenpaket vor

Marathon-Nacht in Berlin: Höhere Ausgaben, zusätzliche Kredite, wachsender Streit – Rekordverschuldung für 2026

Nach einer Sitzung von mehr als 15 Stunden steht der neue Bundeshaushalt für 2026 – und er fällt deutlich kostspieliger aus als ursprünglich vorgesehen. Der Haushaltsausschuss des Bundestages verabschiedete in der Nacht die finalen Änderungen, bei denen die Ministerinnen und Minister der schwarz-roten Koalition persönlich Rede und Antwort standen. Das Fazit dieser langen Verhandlungsrunde: Schulden auf einem nie dagewesenen Niveau.

Die veranschlagten Gesamtausgaben klettern auf 524,5 Milliarden Euro und liegen damit vier Milliarden über dem ersten Entwurf der Bundesregierung. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) zeigte sich dennoch zufrieden: „Diese Koalition liefert. Wir investieren in Stärke und Sicherheit – das ist Zuversicht für die Zukunft.“

Der Preis dafür ist hoch: Im Kernhaushalt sollen nahezu 98 Milliarden Euro an neuen Krediten aufgenommen werden – acht Milliarden mehr als zunächst geplant. Rechnet man zusätzliche Darlehen für Bundeswehr und Infrastruktur hinzu, summiert sich die Neuverschuldung auf über 180 Milliarden Euro. Die Schuldenbremse gilt formal als eingehalten – möglich durch die bereits beschlossenen Ausnahmeregeln.

Kritik von allen Seiten – „Rekordausgaben ohne Aufschwung“

Während die Koalition von einer Investitionsoffensive spricht, kommt aus nahezu allen politischen Lagern heftige Kritik. Sebastian Schäfer (Grüne) wirft der Regierung vor, den finanziellen Spielraum schlecht zu nutzen: „Damit werden Wachstumschancen sträflich vergeigt.“

Noch deutlicher äußerte sich Dietmar Bartsch (Linke): „Mit Mega-Schulden wird Mini-Wachstum produziert. Für die Mehrheit der Bürger bringt dieser Haushalt verdammt wenig – gepusht wird allein die Rüstung.“

Auch die AfD kritisierte scharf. Ihr Haushaltsexperte Michael Espendiller sprach von „gigantischen Schuldenbergen“, die weiter anwüchsen. Selbst der Bund der Steuerzahler reagierte empört. Präsident Reiner Holznagel erklärte: „Schwarz-Rot schraubt die Subventionen sogar noch höher als die Ampel. Trotz Rekordausgaben kommen neue Hilfen hinzu, während Privathaushalte bei der Stromsteuer leer ausgehen.“

Tatsächlich steigen die Subventionen auf knapp 80 Milliarden Euro – ein historischer Spitzenwert. Neu hinzu kommen unter anderem die E-Auto-Prämie und der Industriestrompreis, die weitere Milliarden binden.

Milliarden für Verteidigung und Pflege – Streit um soziale Ausgewogenheit

Besonders ins Auge fällt die Aufstockung der Ukraine-Hilfe. Das Finanzministerium erhöhte die Mittel kurz vor Mitternacht um weitere drei Milliarden Euro – für Artillerie, Drohnen, gepanzerte Fahrzeuge und zwei Patriot-Systeme. Damit wachsen die Gesamtausgaben auf 11,5 Milliarden Euro, den höchsten deutschen Beitrag seit Kriegsbeginn.

Ermöglicht wird dies durch eine Lockerung der Schuldenbremse für Verteidigungsposten – ein Schritt, der im Bundestag unterschiedlich bewertet wird.

Darüber hinaus fließen 800 Millionen Euro in ein Programm für klimafreundliche Heizungen sowie 50 Millionen Euro in den barrierefreien Wohnungsumbau. Unmittelbar vor Sitzungsbeginn einigten sich Union und SPD außerdem auf ein Milliarden-Darlehen für die Pflegeversicherung: Zu den vorgesehenen 1,5 Milliarden kommen zusätzliche 1,7 Milliarden Euro, um eine Beitragserhöhung abzuwenden.

Wie diese Mittel später zurückgezahlt werden sollen, ist allerdings unklar. Ein Koalitionsmitglied räumte ein: „Wir verschaffen uns Zeit, mehr nicht.“

Neues Digitalministerium erhält erstmals eigenes Budget

Auch symbolpolitisch brachte die lange Nacht Neuerungen: Erstmals wird das neue Digitalministerium im Bundeshaushalt geführt. Für 2026 stehen 1,36 Milliarden Euro bereit – überwiegend über Umschichtungen aus anderen Ministerien finanziert.

Der Unions-Haushälter Christian Haase (CDU) sprach von einem „überfälligen Schritt in die digitale Ära der Verwaltung“. Das Haus übernimmt Aufgaben aus den bisherigen Zuständigkeiten der Ressorts für Verkehr, Wirtschaft und Inneres. Der neue Einzelplan 24 tritt an die Stelle des Etats des Bundesschatzministers, den es seit 1970 nicht mehr gibt.

Haase betonte: „Jetzt geht es nicht mehr um Klingelschilder, sondern um Strukturen. Wir müssen die Verwaltung endlich zukunftsfähig machen.“

Finanzlücken ab 2027 – die Ruhe vor dem Sturm

Hinter den Kulissen wächst jedoch die Sorge vor den kommenden Jahren. Finanzminister Klingbeil steht vor einer Mammutaufgabe: Ab 2027 drohen laut aktueller Steuerschätzung Haushaltslöcher von 22 bis 23 Milliarden Euro – so groß wie noch nie.

Um diese Lücke zu schließen, will Klingbeil gemeinsam mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) und CSU-Chef Markus Söder über den Jahreswechsel ein Sparpaket schnüren. Zur Debatte stehen Kürzungen bei Subventionen, die Streichung von Förderprogrammen sowie eine Prüfung bestehender Rücklagen.

Ein Regierungsberater bringt es auf den Punkt: „2026 ist das Jahr des Geldausgebens – 2027 wird das Jahr des Kassensturzes.“

Die Koalition verteidigt ihren Kurs dennoch. SPD-Haushaltsexperte Thorsten Rudolph betonte: „Mit dem Haushalt 2026 setzen wir auf Wachstum, Sicherheit und Zusammenhalt. Das ist ein Signal der Stabilität in schwierigen Zeiten.“Ob diese Stabilität trägt, zeigt sich spätestens im November, wenn der Bundestag zwischen dem 25. und 28. November abschließend über den Etat entscheidet. Die Nacht der Bereinigung ist vorüber – doch die Debatte über Schulden, Zukunft und Verantwortung beginnt erst.

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