Stimmung kippt am Nachmittag
Am Donnerstag hat der deutsche Leitindex Dax deutlich nachgegeben. Nach einem anfänglich ruhigen Handel gerieten die Notierungen am Nachmittag spürbar unter Druck. Der Dax rutschte erneut unter die Marke von 24.000 Punkten und beendete den Tag mit einem Minus von 1,3 Prozent bei 23.734 Punkten. Auch der EuroStoxx50 verlor 1,0 Prozent auf 5611 Punkte.
Als wesentliche Ursache nannten Marktteilnehmer die schwachen Vorgaben aus den USA, wo sich in den vergangenen Tagen die Sorgen über eine mögliche Marktkorrektur verstärkt hatten. Äußerungen mehrerer US-Finanzmanager zu überteuerten Technologiewerten führten an der Wall Street zu spürbaren Abgaben – vor allem bei KI-bezogenen Aktien.
„Der Dax scheiterte auch in einem weiteren Versuch an der 24.000er Marke“, sagte ntv-Börsenreporter Frank Meyer. „Es war dann doch der kalte US-Börsenwind, der den deutschen Leitindex tiefer ins Minus drückte. Man darf nicht vergessen, auf welchen luftigen Niveaus die Börsen gerade stehen.“
Belastung durch schwache Wall Street
Im Tagesverlauf nahm die Nervosität unter den Anlegern zu. Besonders Technologie- und Wachstumswerte litten unter der schwachen Tendenz an den US-Börsen. Dort hatten zuletzt Gewinnwarnungen und vorsichtige Ausblicke großer Konzerne wie Nvidia und Alphabet die Skepsis gesteigert.
Analysten betonten, der Markt sei nach den kräftigen Anstiegen der vergangenen Monate zunehmend anfällig für Rücksetzer. „Viele Anleger realisieren jetzt Gewinne – das ist nach einer solch langen Aufwärtsbewegung völlig normal“, sagte ein Marktstratege einer großen deutschen Privatbank.
Zudem dämpften Spekulationen über weitere Zinssignale der US-Notenbank Fed die Kauflaune. Investoren fürchten, die erwartete Zinspause könnte sich verzögern, falls die Inflation in den USA nicht deutlicher nachlässt.
Gewinner und Verlierer des Tages
Trotz des übergeordneten Abwärtsdrucks gab es an der Frankfurter Börse auch positive Ausnahmen. Besonders Zalando und die DHL Group stachen hervor. Die Aktien beider Konzerne legten um 6,6 Prozent beziehungsweise 8,6 Prozent zu.
Zalando profitierte von besser als erwarteten Quartalszahlen und einer optimistischen Prognose für das Weihnachtsgeschäft. Bei DHL sorgten starke Logistikkennzahlen und eine solide Marge für deutliche Kursgewinne.
Auf der Gegenseite standen Heidelberg Materials und die Commerzbank, deren Papiere um 5,0 Prozent beziehungsweise 2,0 Prozent nachgaben. Beide Unternehmen litten unter einer schwächeren Branchendynamik und zurückhaltenden Aussagen zum Jahresausblick.
Euro stabilisiert sich leicht
Während die Aktienmärkte schwächer tendierten, zeigte sich der Euro gegenüber dem US-Dollar etwas fester. Am Abend notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,1539 Dollar, nachdem sie zuvor zeitweise unter Druck gestanden hatte. Händler erklärten die leichte Erholung mit der Erwartung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinspolitik vorerst beibehalten dürfte.
Auch die Anleihemärkte reagierten auf die neuen Konjunktursignale: Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe gab leicht nach, da Anleger in unsicheren Phasen wieder verstärkt in sichere Häfen umschichten.
Zwischenbilanz: Nervöse Märkte trotz solider Fundamentaldaten
Trotz der jüngsten Verluste sehen viele Analysten keine grundlegende Trendwende. Die Unternehmensgewinne gelten als stabil, und auch die konjunkturellen Rahmenbedingungen in der Eurozone haben sich zuletzt leicht aufgehellt.
Zugleich wird der Druck aus den USA überwiegend als vorübergehend eingestuft. „Es handelt sich eher um eine gesunde Korrektur nach einem sehr starken Jahr“, meinte ein Händler der Deutschen Börse. Dennoch zeigt der Handelstag, wie stark der Dax von den Bewegungen an der Wall Street abhängt.
Die Volatilität dürfte daher auch in den kommenden Wochen erhöht bleiben – insbesondere solange die Unsicherheit über Zinsen, Inflation und Unternehmensbewertungen anhält.
Blick auf die kommenden Handelstage
Für die nächsten Tage rechnen Experten mit einer Seitwärtsbewegung des Marktes. Die 24.000-Punkte-Marke bleibt ein wichtiger Widerstand. Sollte sich die Stimmung an der Wall Street weiter eintrüben, könnte der Dax kurzfristig erneut in Richtung 23.500 Punkte rutschen.
Erst wenn die US-Technologiewerte wieder Tritt fassen und die Investoren Vertrauen in die Stabilität der Gewinne zurückgewinnen, dürfte sich der deutsche Leitindex nachhaltig erholen. Bis dahin heißt es für Anleger: Ruhe bewahren und auf neue Impulse warten.