Zum Oktoberauftakt gerät der Dax im Bereich der 25.000-Punkte-Marke unter Druck. US-Renditen ziehen an, Microns Rekordzahlen zeigen kaum Wirkung und aus Frankreich kommen neue Belastungsfaktoren. Wie könnte es nun weitergehen?
- Dax: Wichtige Unterstützung bröckelt
- Anleihen: US-Renditen auf Mehrjahreshochs
- Frankreich: Risikoaufschlag auf Eurokrisen-Niveau
- Wall Street: Nasdaq widersteht dem Zinsdruck
- Chips und Asien: Micron kann nicht zünden
- Öl: Entspannung in der Golfregion
- Gas: Berlin stockt auf
- Devisen: Dollar auf Mehrmonatshoch
- Gold: Verhaltener Rebound
- Der neue Finanzen100-Newsletter
Der Dax startet schwach in den Oktober. Der Broker IG schätzt den deutschen Leitindex am Donnerstagmorgen 0,5 Prozent niedriger auf 25.078 Punkte ein. Damit droht der tiefste Stand seit Ende Juli. Bereits am Mittwoch drückte die Inflation auf die Kurse. Rekordhohe Spritpreise hoben die Teuerungsrate in Deutschland im September auf 3,3 Prozent – den höchsten Wert seit fast drei Jahren.
Dax: Wichtige Unterstützung bröckelt
Der Leitindex prüft erneut den unteren Rand seiner Handelsspanne, sagt Thomas Altmann von QC Partners. „Dabei lebt der Dax in diesem Jahr ohnehin nur noch von den Dividenden“, betont Altmann. Im September gab der Index gut vier Prozent nach. Hoffnung macht die Historie: In den vergangenen 30 Jahren schloss der Oktober 21-mal im Plus und nur neunmal im Minus.
Anleihen: US-Renditen auf Mehrjahreshochs
Der Ton wird am Anleihemarkt angegeben. „Mit jeder neuen Verkaufswelle am Anleihemarkt wächst der Druck auf den Dax“, warnt Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten mit 5,306 Prozent so hoch wie zuletzt im Juni 2007. Bei 30 Jahren Laufzeit stiegen die Renditen auf bis zu 5,65 Prozent, den höchsten Stand seit 2002. Anleger beunruhige weniger die Fünf-Prozent-Marke als das rasante Tempo des Anstiegs, sagt Darren Shames von Nomura.
Frankreich: Risikoaufschlag auf Eurokrisen-Niveau
Auch Frankreich gerät in den Fokus. Der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen weitete sich am Mittwoch auf 1,27 Prozentpunkte aus – so hoch wie seit der Eurokrise 2011/2012 nicht mehr. Mit 3,6 Billionen Euro trage Frankreich die größten Staatsschulden der Eurozone, warnt Altmann. Das Land sei zu groß, um zu scheitern, und zugleich zu groß, um gerettet zu werden.
Wall Street: Nasdaq widersteht dem Zinsdruck
In New York präsentierte sich der Markt am Mittwoch zweigeteilt. Der Dow Jones fiel um 0,9 Prozent, der S&P 500 um 0,3 Prozent. Der Nasdaq Composite legte 0,2 Prozent zu. Entlastung lieferten die Inflationsdaten: Der Preisindex der privaten Konsumausgaben erhöhte sich im August um 3,4 Prozent und blieb damit unter den erwarteten 3,7 Prozent.
Nach Angaben der Terminbörse Chicago Mercantile Exchange sank die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der US-Notenbank Fed im Oktober binnen einer Woche von 71 auf rund 37 Prozent.
Chips und Asien: Micron kann nicht zünden
Selbst Rekordzahlen von Micron heben die Stimmung nicht. Der Speicherchiphersteller steigerte den Quartalsumsatz auf 54,2 Milliarden US-Dollar, fast das Fünffache des Vorjahres. Auch der Ausblick übertraf die Erwartungen – dennoch gab die Aktie nachbörslich nach.
Wenn selbst ein Übertreffen aller Prognosen nicht mehr reicht, ist womöglich bereits vieles eingepreist, so Stanzl. In Asien verlor der MSCI-Index ohne Japan am Donnerstag 0,2 Prozent. Der japanische Nikkei hingegen stieg dank Chipwerten um mehr als ein Prozent.
Öl: Entspannung in der Golfregion
Am Ölmarkt lässt der Druck nach. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um 1,1 Prozent auf 96,92 Dollar je Barrel. Im September war sie noch um rund 14 Prozent gestiegen. Nun belädt Saudi-Arabien wieder Tanker im Hafen Yanbu. Zudem erhöhten sich die US-Lagerbestände überraschend. Eine Annäherung zwischen Washington und Teheran könnte die Risikoprämie weiter drücken, sagt Sugandha Sachdeva von SS WealthStreet.
Gas: Berlin stockt auf
Am Gasmarkt sorgt Berlin für Bewegung. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat den Staatskonzern Sefe angewiesen, bis Mitte Dezember acht Terawattstunden Gas einzulagern. Die Speicher waren laut ZDF zuletzt nur zu 57,7 Prozent gefüllt. Müsse Deutschland in kurzer Zeit erhebliche Mengen zukaufen, verändere das die Marktstimmung, sagt Stanzl. In einem nervösen Umfeld könnte das die Volatilität erhöhen.
Devisen: Dollar auf Mehrmonatshoch
Der US-Dollar profitiert von steigenden Renditen. Gegenüber einem Währungskorb erreichte er den höchsten Stand seit Ende Juni. Der Euro fiel auf 1,1317 US-Dollar. Im September verlor er knapp 2,5 Prozent – so viel wie seit Juli 2025 nicht mehr. Der Greenback reagiere derzeit stärker auf die Renditen als auf die Zinspolitik, sagt Ray Attrill von der National Australia Bank.
Gold: Verhaltener Rebound
Gold startet freundlich in den Oktober. Die Feinunze verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 4.175 US-Dollar. Im September hatte das Edelmetall mehr als sechs Prozent nachgegeben. Bart Melek von TD Securities glaubt, das Gröbste der Korrektur sei vorerst überstanden.
Der Anleihemarkt bleibt der Taktgeber. Solange die Renditen steigen, fehlt dem Dax der Rückenwind. Entscheidend ist nun die Zone um 25.000 Punkte. Am Freitag steht mit dem US-Arbeitsmarktbericht der nächste Härtetest an.
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