Donald Trump könnte Kryptounternehmen einen direkten Draht zum Dollar-Zahlungssystem eröffnen. Für Banken und Investoren hätte das weitreichende Konsequenzen.
Am 19. Mai 2026 hat US-Präsident Donald Trump per Executive Order verfügt, dass die Federal Reserve innerhalb von 120 Tagen prüfen soll, ob Krypto- und Fintech-Unternehmen direkten Zugang zur Zahlungsinfrastruktur der US-Notenbank erhalten.
Das klingt nach Bürokratie. Tatsächlich ist es eine der gravierendsten regulatorischen Weichenstellungen, seit es Bitcoin gibt.
Worum es genau geht
Die Federal Reserve stellt die „Schienen“ bereit, über die US-Banken Geld transferieren. Wer einen sogenannten Master Account bei einer Fed-Bank besitzt, ist ohne Umwege direkt ans Dollar-System angeschlossen.
Bisher war dieser Zugang de facto traditionellen Banken vorbehalten. Börsen wie Kraken oder Coinbase müssen Kundengelder über teure Bankpartner abwickeln. Jeder Zwischeninhaber kostet Gebühren und eröffnet zusätzliche Schwachstellen.
Mit Trumps Anordnung sollen Fed und Aufseher sämtliche Hürden identifizieren, die Krypto- und Fintech-Firmen den Zutritt erschweren, und binnen sechs Monaten Vorschläge zu deren Abbau vorlegen.
Erste Schritte gibt es bereits: Im März 2026 erhielt die Federal Reserve Bank of Kansas City für die Krypto-Börse Kraken (Bewilligung durch Biden) einen eingeschränkten Master-Account. Auch Ripple und der Verwahrer Anchorage Digital stehen in den Startlöchern.
Warum das so folgenreich ist
Drei zentrale Gründe.
Erstens: Erhalten Kraken oder ein Stablecoin-Anbieter wie Circle direkten Fed-Zugang, entfällt eine komplette Schicht an Bankgebühren und Reibung. Stablecoin-Transaktionen würden so verlässlich wie klassische Überweisungen. Das ist die Grundlage dafür, dass Stablecoins als echtes Zahlungsmittel taugen und nicht bloß „Krypto-Spielgeld“ bleiben.
Zweitens: Es geht um Kapitalströme in großem Maßstab. Steht die Infrastruktur, können Pensionskassen, Versicherungen und Family Offices deutlich einfacher in tokenisierte Produkte investieren – etwa tokenisierte US-Staatsanleihen, Stablecoins, möglicherweise auch Bitcoin-ETFs in größerem Umfang.
Drittens – und am wichtigsten: Die Verfügung steht im Kontext weiterer Initiativen. Das Repräsentantenhaus arbeitet am Clarity Act, einem umfassenden Krypto-Regelwerk. Trump hat zudem im März 2025 per Order eine staatliche „Strategic Bitcoin Reserve“ aufgelegt.
Auch Bundesstaaten ziehen mit: Texas investierte Ende 2025 fünf Millionen Dollar in einen Bitcoin-ETF, New Hampshire erlaubt bis zu fünf Prozent Krypto-Allokation öffentlicher Mittel, Florida berät über ein eigenes Reservegesetz für Mitte 2026.
Mehrere Staaten haben darüber hinaus Central Bank Digital Currencies ausdrücklich untersagt und positionieren sich damit gegen einen staatlich kontrollierten digitalen Dollar.
Die unbequeme Seite
So weit zur Mechanik. Anleger sollten jedoch die Interessenlage dahinter kennen. Trump profitiert finanziell von einem Krypto-Boom. Die Familie hält große Anteile an World Liberty Financial, einer Krypto-Plattform mit eigenem Stablecoin.
Forbes taxierte den Wert dieser Beteiligung Anfang 2026 auf mehrere hundert Millionen Dollar, Trump selbst meldete über 57 Millionen Dollar Einkommen aus diesem Engagement. Hinzu kommt der TRUMP-Memecoin, kurz vor der Amtseinführung lanciert.
Ein 49-Prozent-Anteil an World Liberty Financial wurde laut Wall Street Journal von einer Firma erworben, die dem Sicherheitsberater Abu Dhabis zugerechnet wird.
Das macht die Politik nicht per se falsch. Doch: Die Entscheidungen entspringen nicht ausschließlich Innovationsfreude. Wer US-Politik als Rückenwind für langfristige Investments versteht, sollte einkalkulieren, dass eine nächste Administration Teile davon wieder kassieren könnte.
Was Anleger daraus mitnehmen können
Drei Lehren.
Erstens: Die Richtung ist gesetzt: Stablecoins werden Teil des US-Finanzsystems. Wer über Bitcoin, ETFs oder Krypto-Aktien wie Coinbase oder Circle engagiert ist, sollte wissen, dass die regulatorische Rückendeckung in den USA so stark ist wie nie – auch wenn die Motive gemischt sind.
Zweitens: Politischer Rückenwind ist volatil. Trumps Krypto-Kurs kann von einer Nachfolgeregierung mit einem Federstrich revidiert werden – so wie Biden Trumps erste Amtszeit umkehrte und Trump nun Bidens Linie. Wer auf US-Krypto-Politik setzt, wettet auch auf Wahlausgänge.
Drittens: Der Machtkampf um die Kontrolle des digitalen Finanzsystems – Banken, Notenbank, Tech-Konzerne oder Krypto-Firmen – beginnt erst. Die Verfügung vom 19. Mai ist ein klarer Punkt für die Krypto-Seite. Doch Bankenverbände wie die Independent Community Bankers of America stellen sich bereits offen gegen direkten Fed-Zugang. Das wird ein langer Konflikt.
Eines ist jetzt schon klar: Der Status quo, in dem Krypto Randthema war, ist passé. Was folgt, entscheidet sich nicht in Wochen, sondern über Jahre.