Die Commerzbank möchte zeigen, dass sie aus eigener Kraft profitabler arbeitet als unter dem Schirm von Unicredit. Schafft es der Dax-Konzern, die feindliche Übernahme zu verhindern?
Die Commerzbank will Investoren mit weiterem Personalabbau und wachsenden Gewinnen von einer eigenständigen Zukunft überzeugen und eine feindliche Übernahme durch die Unicredit abwehren. Bis 2030 sollen konzernweit rund 3000 zusätzliche Vollzeitstellen wegfallen, teilte der Dax-Konzern in Frankfurt mit.
Die Vorhaben der Unicredit würden zu einem deutlich umfangreicheren Stellenabbau führen, argumentiert die Commerzbank in einer ersten vertieften Bewertung des zum Wochenbeginn veröffentlichten Tauschangebots der italienischen Großbank. Das in Mailand ansässige Institut, das knapp 30 Prozent an der Commerzbank hält, will bis zum 16. Juni weitere Anteile per Aktientausch einsammeln und hat für den Übernahmefall einen Restrukturierungsplan vorgelegt.
Stärkster Jahresauftakt seit 2011
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp, die sich mit ihrem Team seit mehr als eineinhalb Jahren gegen eine Übernahme stellt, fühlt sich durch den besten Jahresstart seit 2011 bestätigt: “Wir sind mit Ergebnissen auf Rekordniveau ins Jahr gestartet. Das beweist: Unsere Strategie funktioniert – und hat mehr Potenzial als ursprünglich geplant.” Daran müsse sich jede Alternative messen lassen. “Die Pläne der Unicredit überstehen den Realitätscheck nicht”, sagte Orlopp in einer Telefonkonferenz.
Im ersten Quartal 2026 legte die Commerzbank gegenüber dem Vorjahr zu. Mit rund 1,36 Milliarden Euro operativem Ergebnis und einem Überschuss von 913 Millionen Euro übertraf das Frankfurter Institut das Vorjahresquartal jeweils um etwa zehn Prozent und schnitt auch besser ab als von Analysten erwartet.
Gewinne sollen kontinuierlich wachsen
Für 2026 rechnet die Commerzbank im Rahmen der überarbeiteten Strategie (“Momentum 2030”) mit mehr Gewinn als bisher: Der Überschuss soll nun mindestens 3,4 Milliarden Euro erreichen – 200 Millionen Euro mehr als zuvor angepeilt. Bis 2028 wird ein Anstieg auf 4,6 Milliarden Euro erwartet, 2030 sollen unterm Strich 5,9 Milliarden Euro stehen.
Im Gesamtjahr 2025 verfehlte die Bank trotz hoher Kosten für bereits laufende Personalmaßnahmen mit gut 2,6 Milliarden Euro den Rekordgewinn von 2024 (knapp 2,7 Mrd. Euro) nur knapp.
Unicredit erhöht den Druck
Unicredit-Chef Andrea Orcel wirbt seit dem Einstieg bei der Commerzbank im September 2024 für eine Übernahme und hatte jüngst öffentlich eine aus seiner Sicht seit Jahren “unterdurchschnittliche operative Leistung” der Commerzbank kritisiert. Ohne Neuausrichtung sei mittelfristig das Überleben des Instituts gefährdet.
Die Unicredit, die in Deutschland über die Hypovereinsbank (HVB) präsent ist, legte für den Fall einer Commerzbank-Übernahme ein Restrukturierungsprogramm vor, dem zufolge in Deutschland rund 7.000 Vollzeitstellen entfallen würden.
Die Commerzbank-Spitze bezeichnet die Unicredit-Pläne als vage und riskant. “Solche extensiven Stellenstreichungen würden das Deutschland-Geschäft beeinträchtigen”, heißt es in einer Präsentation des Frankfurter Instituts. Um die von Unicredit avisierten weiteren Einsparungen von 800 Millionen Euro bei Personal- und Sachkosten zu erreichen, wären nach Ansicht der Commerzbank-Führung zusätzliche 3.000 bis 4.000 Vollzeitstellenstreichungen nötig.
Betriebsrat stimmt Einschnitten zu
Der angekündigte Stellenabbau, dessen Kosten der Vorstand auf etwa 450 Millionen Euro schätzt, soll nach Angaben der Bank “sozialverträglich” umgesetzt werden – unter anderem über Verrentungen und ein Altersteilzeitprogramm mit einer Zusatzprämie von 50.000 Euro.
Eine mit dem Betriebsrat geschlossene Transformationsvereinbarung regelt die Eckpunkte. Parallel dazu sollen “in Wachstums- und Zukunftsfeldern” wie der Digitalmarke Comdirect und der Vermögensverwaltung zusätzliche Stellen entstehen.
Der Betriebsrat unterstützt die Pläne. “Einsparungen werden unvermeidlich sein – doch sie sind weit weniger schmerzhaft als der Kahlschlag, den wir bei einer Übernahme erwarten müssten”, schreibt der Vorsitzende des Konzern- und Gesamtbetriebsrats der Commerzbank, Sascha Uebel, in einem Intranet-Beitrag.
Betriebsbedingte Kündigungen sind nach Angaben der Gewerkschaft Verdi auf Grundlage der Transformationsvereinbarung faktisch ausgeschlossen. “Für uns ist klar: Niemand darf seinen Job gegen seinen Willen verlieren”, betonte Gewerkschaftssekretär Kevin Voß.
Zweite Abbaurunde seit Anfang 2025
Wo die 3.000 Stellen konkret entfallen, ist noch offen. “Grundsätzlich schauen wir uns alle Einheiten in Bezug auf den Personalbedarf in der Zukunft an, sowohl in der AG als auch bei unseren Töchtern in Deutschland sowie an unseren internationalen Standorten”, erklärte Personalvorständin Sabine Mlnarsky im Intranet.
Bereits im Februar 2025 hatte die Commerzbank den Abbau von 3.900 Vollzeitstellen bis Ende 2027 angekündigt, überwiegend in Deutschland. Zugleich sollten vor allem im Ausland neue Jobs entstehen, etwa bei der polnischen Tochter mBank sowie an Standorten in Asien. Ende 2025 beschäftigte der Konzern 39.867 Vollzeitkräfte.
Widerstand gegen Unicredit
Management, Betriebsrat und Belegschaft der Commerzbank wehren sich seit Monaten gegen das aus ihrer Sicht “feindliche” Vorgehen von Unicredit-Chef Orcel. Auch die Bundesregierung stellt sich gegen eine feindliche Übernahme der Commerzbank. Der Bund, der das Frankfurter Institut in der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermitteln stabilisierte, hält weiterhin gut 12 Prozent an dem Dax-Konzern.
Die Unicredit bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Papiere. Diese Anteile sind nach Angaben der Italiener auf Basis eines Drei-Monats-Durchschnittskurses 34,35 Euro wert.
Das liegt jedoch unter dem jüngsten Kurs der Commerzbank-Aktie. “Das Angebot von UniCredit bewertet die Commerzbank deutlich unter ihrem Wert”, so die Bewertung des Vorstands um Bettina Orlopp: “Die Aktionäre der Commerzbank werden aufgefordert, auf Wertsteigerungspotenzial und Kontrolle zu verzichten, ohne dafür eine Prämie zu erhalten.”