In einer russischen Grenzprovinz werben Anbieter inzwischen damit, Autos zum Betanken nach China zu überführen. Grund sind anhaltende Spritengpässe nach ukrainischen Angriffen auf Raffinerien.
Bewohner der Region Transbaikalien erhalten demnach Angebote, ihre Fahrzeuge zum Auftanken über die Grenze nach China zu bringen. Das „Reich der Mitte“ reagiert damit auf die in Russland verbreiteten Kraftstoffknappheiten, die die Versorgung in mehreren Landesteilen beeinträchtigen. Transbaikalien liegt im Südosten Sibiriens und grenzt an China sowie die Mongolei.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Die Ukraine nimmt Russlands Energieinfrastruktur massiv ins Visier.
- Drohnen setzen zentrale Raffinerien wiederholt außer Gefecht.
- Russische Tankstellen kämpfen zunehmend damit, Autofahrer zu versorgen.
- Mehrere Regionen in Russland haben bereits den Alarmzustand verhängt.
China lockt mit Betankung jenseits der Grenze
Wie das ukrainische Nachrichtenportal „United 24 Media“ meldet, kursieren in lokalen russischen Messenger-Gruppen Anzeigen für das Tanken im Ausland. Sie richten sich an Einwohner von Zabaikalsk und Tschita: Demnach sollen sie ihre Autos nach Manzhouli in China bringen, dort volltanken und anschließend zurück nach Russland fahren.
Ein Liter Diesel kostet in China dem Vernehmen nach etwa 66 Rubel, rund 0,85 US-Dollar. Bezahlt wird in chinesischen Yuan. Für Benzin der Sorte AI-95 werden bis zu 1,25 Dollar pro Liter fällig.
Manche Anbieter werben zudem damit, separate Kraftstoffbehälter zu füllen. Gleichzeitig warnen sie vor möglichen Zollproblemen: Der chinesische Zoll könnte die Mitnahme von Treibstoff bei der Ausreise untersagen. Vergleichbares geschieht derzeit in Kasachstan, wo Sicherheitskräfte eingesetzt werden, um die Ausfuhr von Kraftstoff durch Russen zu verhindern.
Ukrainische Angriffe bringen Ölversorgung ins Wanken
Auslöser sind gravierende Störungen in der russischen Benzinversorgung, der Verkauf ist teils limitiert. Transbaikalien erlebt seit dem 25. Juni akute Knappheit; die Regionalbehörden riefen den Alarmzustand aus. Privatpersonen dürfen nur noch 15 Liter pro Tag kaufen. An vielen Zapfsäulen bilden sich lange Schlangen, angeblich über mehrere Kilometer.
Hintergrund sind verstärkte ukrainische Schläge im Zuge des von Russland begonnenen Kriegs: Attackiert werden Öl- und Gasraffinerien sowie wichtige Leitungen und Knotenpunkte für Energietransporte. Auch auf der von Russland besetzten Krim werden entsprechende Engpässe gemeldet.
Laut einer Auswertung von „CNN“ ist nahezu das gesamte Land betroffen: Beinahe alle der 83 Regionen Russlands sollen unter Knappheiten oder Lieferstörungen leiden. Viele Tankstellen hätten bereits Rationierungen eingeführt, so das Portal. Die Analyse stützt sich auf offizielle Aussagen lokaler Bürgermeister und Gouverneure sowie auf nationale und regionale Medienberichte. Neben Transbaikalien sollen mindestens zwei weitere Regionen die Alarmstufe erhöht haben.
Putin räumt Engpässe beim Öl ein
Die breite Berichterstattung im Westen zwang den Kreml zu schneller Schadensbegrenzung. Präsident Wladimir Putin erklärte in einem Interview: „Wir sehen aktuell verschiedene Engpässe, aber die sind nicht ernst.“
Unterstützung kommt nicht nur aus China, sondern auch aus Indien. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Russland Hunderttausende Barrel Öl aus Indien beziehen musste, weil die heimische Versorgung nicht ausreicht – bemerkenswert für ein Land, das traditionell zu den größten Ölförderern der Welt zählt.