Berlin geht auf Konfrontationskurs mit italienischer Großbank
Die Bundesregierung übt scharfe Kritik an den jüngsten Maßnahmen der italienischen Bank Unicredit. Anlass ist die erhöhte Beteiligung an der Commerzbank. Eine Sprecherin des Finanzministeriums erklärte: „Wir lehnen das unabgestimmte und unfreundliche Vorgehen der Unicredit ab.“ Der Bund habe wiederholt bekräftigt, die Eigenständigkeit der Commerzbank zu unterstützen und werde seinen Anteil von gut zwölf Prozent daher nicht veräußern.
Unicredit weitet ihren Anteil weiter aus
Die Unicredit hat ihren direkten Aktienanteil an der Commerzbank auf 26 Prozent gesteigert und zugleich angekündigt, zusätzliche Finanzinstrumente künftig in Aktien zu konvertieren. Dadurch könnte der Anteil auf knapp 29 Prozent anwachsen. Überschreitet die Bank die Schwelle von 30 Prozent, wäre sie nach deutschem Recht verpflichtet, ein Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre abzugeben. Aus Sicht der Bundesregierung, die das Institut in der Finanzkrise 2008/2009 gestützt hatte, gilt: Ein Kontrollwechsel ohne politische Rücksprache ist nicht akzeptabel.
Verhandlungen zum Stellenabbau nahezu abgeschlossen
Parallel treibt die Commerzbank ihre interne Neuausrichtung voran. Nach Angaben von Betriebsratschef Sascha Uebel stehen die Gespräche mit dem Management kurz vor dem Abschluss. „Der letzte Verhandlungstermin war vergangene Woche, und wir sind mit dem Thema weitestgehend durch“, sagte er. Man rechne damit, dass der Gesamtbetriebsrat dem Paket bei seiner nächsten Sitzung am 11. September zustimmen werde.
Geplanter Abbau von fast 4000 Stellen
Im Zuge ihres Sparprogramms will die Commerzbank bis 2028 rund 3900 Vollzeitstellen abbauen, davon etwa 3300 in Deutschland. Ziel ist eine spürbare Verschlankung der Kostenbasis. Die Bank setzt dabei vor allem auf natürliche Fluktuation und demografische Effekte; Kündigungen sollen möglichst vermieden werden. Eigentlich sollten die Rahmenbedingungen für den Stellenabbau bereits im zweiten Quartal beschlossen werden, was sich nun etwas verzögert hat.
Spagat zwischen Politik und Restrukturierung
Damit gerät die Commerzbank in ein Spannungsfeld: Während das Management an Neuausrichtung und Kostensenkung arbeitet, nimmt die Politik bei Fragen der Eigentümerstruktur deutlich Einfluss. Dass der Bund seine Position verteidigt, unterstreicht die Sensibilität des Themas – zumal die Bank als zweitgrößtes privates Kreditinstitut Deutschlands eine Schlüsselrolle im Finanzsystem einnimmt.