FRANKFURT (dpa-AFX) – Eine Ansprache von US-Notenbankchef Kevin Warsh hat den Dax am Freitag auf ein neues Allzeithoch gehoben. In der Spitze kletterte der deutsche Leitindex auf 26.618,74 Punkte und übertraf damit die vor zwei Wochen erreichte Bestmarke von 26.573,50 Zählern. Zum Handelsschluss lag der Dax 0,77 Prozent im Plus bei 26.569,99 Punkten. Auf Wochensicht ergibt sich damit ein Zuwachs von mehr als eineinhalb Prozent. Der MDax der mittelgroßen Werte legte vor dem Wochenende um 0,25 Prozent auf 33.029,91 Punkte zu.
Kurz zusammengefasst:
Laut den Experten von Capital Economics hat Warsh auf dem Notenbanktreffen in Jackson Hole (Wyoming) an Glaubwürdigkeit gewonnen, was den Kampf gegen die hohe Inflation betrifft. Er stellte eine mögliche Zinserhöhung der Fed in Aussicht. Viele Anleger rechnen nun bereits im September mit einem Zinsschritt.
CapTrader-Marktanalyst Timo Emden betonte, die Anleger kalkulierten weiterhin Chancen und Risiken gegeneinander. Warshs Hinweise auf Inflationsgefahren seien zwar registriert, würden derzeit aber als beherrschbar eingeschätzt. Die Stimmung auf dem Frankfurter Parkett bleibe überwiegend optimistisch.
Rückenwind kam zuvor auch von Quartalsberichten großer US-Techs wie Nvidia und Salesforce . Zusätzlich sorgten fallende Ölpreise für bessere Laune am deutschen Aktienmarkt. “Die Gespräche zwischen Iran und Oman nähren die Hoffnung auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus”, schrieb Kapitalmarktexperte Jürgen Molnar von RoboMarkets. “Die Börsenampel bleibt auf Grün.”
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 zog um 0,95 Prozent auf 6.485,67 Punkte an. Außerhalb der Eurozone schlossen die Leitindizes in London und Zürich leicht im Plus. In New York bewegten sich der Dow Jones Industrial und der technologielastige Nasdaq 100 zum europäischen Handelsschluss kaum.
Besonders gefragt waren vor dem Wochenende Autoaktien. An der Dax-Spitze legten die Papiere von BMW um 4,5 Prozent zu – gestützt von einer positiveren Einschätzung der Citigroup. Volkswagen und Mercedes-Benz gewannen jeweils rund drei Prozent.
Auch andere Zykliker zählten zu den Favoriten. Im Dax gehörten der Chemiekonzern BASF (BASF Aktie) und der Chemikalienhändler Brenntag (Brenntag Aktie) zu den größten Gewinnern. Im MDax spiegelte sich die Branchenpräferenz in deutlichen Aufschlägen bei Lanxess und Wacker Chemie wider.
Die Aktien von Siemens (Siemens Aktie) markierten sogar ein Allzeithoch und schlossen letztlich ein Prozent fester. Damit machte der Technologiekonzern die zwischenzeitlichen Gewinnmitnahmen nach den Quartalszahlen Anfang des Monats endgültig wett.
Deutz setzte seine Rally fort: Die Anteile kletterten am Freitag auf den höchsten Stand seit 1998 und gewannen am Ende vier Prozent. Größter Treiber ist derzeit die Übernahme der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG), mit der sich der Kölner Motorenbauer stärker im Rüstungsgeschäft positioniert.
Die Papiere von Traton gaben hingegen 1,4 Prozent nach, nachdem die UBS sie nach dem kräftigen Kursanstieg von “Buy” auf “Neutral” herabgestuft hatte. Zwar sei das Margenziel des Nutzfahrzeugbauers konservativ und könnte noch steigen, der Marktkonsens scheine dies jedoch bereits zu reflektieren, so die Analysten.
Die Aktien des Softwareherstellers Nemetschek verloren nach dem fast zehnprozentigen Plus vom Vortag 0,9 Prozent. Händler verwiesen auf einen verhaltenen Cashflow-Ausblick des US-Wettbewerbers Autodesk als leichten Gegenwind.
Die jüngste Erholung bei Redcare Pharmacy erlitt wegen einer Personalie einen Rückschlag. Olaf Heinrich tritt nach drei Jahren an der Unternehmensspitze zurück. Als Nachfolger ist Peter Schmid von Linstow vorgesehen, der seit April 2026 dem Aufsichtsrat angehört. Die Redcare-Aktie war mit minus 5,9 Prozent Schlusslicht im SDax ./niw/he
— Bericht von Nicklas Wolf, dpa-AFX —
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