Die Bank of America identifiziert zwei präzise Schwellenwerte, die auf einen größeren Abverkauf hindeuten könnten. Bislang wurden sie nicht erreicht – doch Ölpreise und Renditen ziehen an.
Am Markt für US-Staatsanleihen bleibt die Anspannung hoch, auch wenn die Warnmarken der Bank of America (BofA) noch nicht ausgelöst sind. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries stieg am Freitag in der Spitze auf 5,2297 Prozent – den höchsten Stand seit 2007 – und schloss bei etwa 5,16 Prozent. Am Montag notiert sie weiterhin um 5,18 Prozent. Der MOVE-Index, der die erwartete Schwankungsbreite am US-Anleihemarkt misst, fiel nach seinem jüngsten Sprung wieder auf 96 Punkte zurück.
Hohe Energiepreise und kletternde Renditen setzen Aktien unter Druck
Im am Freitag veröffentlichten „Flow Show“-Bericht nennt das Team um BofA-Stratege Michael Hartnett zwei konkrete Marken. Rutscht der ETF iShares Global Financials (IXG) unter 125 US-Dollar und steigt der MOVE-Index über 125 Punkte, „steht ein ‘Risk-off-Deleveraging-Ereignis’ bevor“, erklärte Hartnett laut MarketWatch. Aktuell ist der Markt davon entfernt: Der IXG schloss am Freitag bei 130,21 US-Dollar, der MOVE bei 96 Punkten.
Die Warnung bleibt dennoch relevant, weil sich das Umfeld am Montag wieder verschärft hat. Brent steigt nach der Ablehnung eines iranischen Vorschlags durch US-Präsident Donald Trump erneut auf rund 107 US-Dollar, zugleich ziehen die US-Renditen weiter an. Genau diese Kombination aus hohen Energiepreisen und steigenden Renditen erhöht den Druck auf Aktien.
Wichtig ist nicht, dass der Schock schon eingetreten ist
Hartnett hatte bereits gewarnt: „Wenn ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran den Ölpreis um weitere zehn US-Dollar drückt, die Renditen aber weiter steigen, droht ausgeprägte Risikoaversion.“ Bleibt der Ölpreis dagegen hoch und steigen die Renditen ebenfalls, verschärft das den Inflationsdruck zusätzlich.
Auch Ed Yardeni definiert eine klare Schmerzgrenze. In einem CNBC-Interview sagte der Präsident von Yardeni Research, Renditen um 5,2 Prozent brächten Aktien und Konjunktur noch nicht „aus dem Konzept“. Bei 6 Prozent sehe es jedoch anders aus. „Wir würden alle besorgt sein, wenn wir die Sechs-Prozent-Marke erreichen würden“, so Yardeni gegenüber CNBC. Höhere Zinsen könnten dann Brüche an den Kreditmärkten offenlegen und im Extremfall eine Kreditklemme auslösen.
Yardeni bleibt für Aktien vorerst positiv gestimmt. Doch Ölpreise über 100 US-Dollar, hohe Defizite und weiter steigende Renditen könnten die genannten Schwellen näher rücken lassen. Hartnetts Kernaussage behält daher Gültigkeit: Entscheidend ist nicht, dass der Schock bereits da ist, sondern ob MOVE und Finanzwerte gleichzeitig die von der BofA genannten Marken reißen.