Iran führt ein neues Bitcoin-basiertes System für die Straße von Hormus ein. Welche Folgen hat das für BTC und die globale Geldordnung?
Das iranische Wirtschaftsministerium hat eine Schiffs- und Frachtversicherung entwickelt, die am vergangenen Wochenende präsentiert wurde. Über „Hormuz Safe“ sollen Schiffe Gebühren entrichten, um unter dem Schutz iranischer Streitkräfte die wichtige Meerenge sicher passieren zu können.
Das Besondere: Wie die halboffizielle staatliche Nachrichtenagentur „Fars“ unter Berufung auf Unterlagen des Wirtschaftsministeriums meldete, werden dafür Bitcoin-Zahlungen akzeptiert. Auf einem beigefügten Screenshot der entsprechenden, von Deutschland aus nicht erreichbaren Website ist zudem ausschließlich BTC als Bezahlmethode ausgewiesen.
Die Entgelte werden im iranischen Rial kalkuliert, jedoch in BTC eingezogen. Laut „Fars“ rechnet die Regierung damit, auf diese Weise insgesamt mehr als 10 Milliarden US-Dollar zu vereinnahmen. Zuvor hatte Teheran erklärt, dass Tanker befreundeter Staaten die Straße von Hormus wieder passieren dürfen.
Handelt es sich um den ersten großen Bitcoin-Schritt Irans?
Schon seit Längerem ist bekannt, dass das Land zur Umgehung von Sanktionen auch auf Kryptowährungen zurückgreift. So war auf der Website von Mindex, dem Exportzentrum des iranischen Verteidigungsministeriums, bereits vor dem Krieg zu lesen, dass beim Verkauf von Militärausrüstung auch Krypto-Zahlungen angenommen werden.
Nachdem der Iran als Reaktion auf Angriffe der USA und Israels die Kontrolle über die Straße von Hormus übernommen hatte, gab es vereinzelt Berichte, dass dort Kryptowährungen zur Erhebung von Mautgebühren eingesetzt würden.
Zunächst berichteten Insider gegenüber „Bloomberg“, Iran lasse sich in Stablecoins und im chinesischen Yuan bezahlen. Während der vorläufigen Waffenruhe erklärte dann Hamid Hosseini, Sprecher des staatsnahen Verbands der iranischen Ölexporteure, der „Financial Times“, dass die Zahlungen in Bitcoin abgewickelt würden.
Zu diesem Zeitpunkt war jedoch unklar, ob Hosseini „Bitcoin“ als Sammelbegriff für Krypto-Assets wie Stablecoins verwendete oder ob Iran tatsächlich primär auf BTC setzt. In den Blockchain-Daten waren derweil noch keine Zahlungsströme zu erkennen, die Expertinnen und Experten eindeutig den genannten Bitcoin-Mautgebühren zuordnen konnten.
Mit dem nun vorgestellten Programm „Hormuz Safe“ dürften diese Zweifel weitgehend ausgeräumt sein. Iran scheint Bitcoin klar als zentrales Zahlungsmittel auserkoren zu haben.
Warum ausgerechnet Bitcoin?
Kritiker führten wiederholt an, Bitcoin tauge als Geld nicht, weil in westlichen Ländern kaum jemand den täglichen Kaffee damit bezahlt. Gerade in Situationen wie dieser zeigt sich jedoch, warum BTC ein überlegenes Zahlungsmittel sein kann.
Bitcoin gilt als die einzige wirklich dezentrale Kryptowährung. Transaktionen lassen sich nicht zensieren, und Vermögenswerte können – sofern keine Intermediäre zwischengeschaltet sind – nicht beschlagnahmt werden.
Diese Lektion musste Iran offenbar kürzlich selbst schmerzhaft erfahren: Ende April teilte das US-Finanzministerium mit, in Kooperation mit dem Stablecoin-Emittenten Tether 344 Millionen US-Dollar an USDT im Besitz Irans eingefroren zu haben.
Zugleich erscheint es für sanktionierte Staaten wenig sinnvoll, sich in neue Abhängigkeiten zu begeben, etwa indem sie für Handel oder Reserven auf andere Staatswährungen wie den chinesischen Yuan setzen.
Ist das iranische Bitcoin-Mautsystem also ein Plus für BTC?
Die Entwicklung macht deutlich, dass Bitcoin einen konkreten Nutzen hat – unabhängig von der Bewertung. Es ist anzunehmen, dass immer mehr Staaten die genannten Vorzüge von BTC erkennen werden.
Die De-Dollarisierung ist ohnehin in vollem Gange. BRICS-Staaten wie China und Russland lösen sich – teils gezwungenermaßen – vom „Greenback“ und bauen unter anderem umfangreiche Goldreserven auf. Während sowohl Gold als auch Bitcoin als Reserve-Assets Sinn ergeben können, lässt sich für den grenzüberschreitenden Handel aufgrund der digitalen Natur praktisch nur BTC direkt einsetzen.
Ob Iran die über „Hormuz Safe“ vereinnahmten Coins für eine strategische Bitcoin-Reserve nutzen oder vollständig in Rial beziehungsweise andere Werte umtauschen wird, ist offen. Genauere Details zu dem neuen Bitcoin-System liegen bislang nicht vor.