Bending Spoons übernimmt prominente Tech-Unternehmen, senkt Kosten rigoros und zielt auf hohe Renditen. Doch der Ansatz birgt Gefahren – vor allem wegen der beträchtlichen Verschuldung.
Zu Monatsbeginn ist eines der spannendsten Tech-Unternehmen Europas an die Börse gegangen: Bending Spoons hat Unternehmen wie Evernote, WeTransfer, Komoot oder AOL übernommen, große Teile der Belegschaften abgebaut, die Erlöse optimiert und im besten Fall die Produkte verbessert. 2023 akquirierte Bending Spoons Firmen für unter 200 Millionen US-Dollar, allein im ersten Quartal 2026 summierten sich die Zukäufe bereits auf über zwei Milliarden US-Dollar.
Noah Leidinger gilt als Experte für Aktienanalyse und moderiert den Börsenpodcast „Ohne Aktien Wird Schwer“. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Große Deals abzuschließen, ist das eine. Sie langfristig profitabel zu entwickeln, das andere. Ob das Geschäftsmodell nachhaltig trägt, haben wir im „Ohne Aktien wird schwer“-Podcast mit Tim Schumacher besprochen. Der Serienunternehmer hinter AdBlock Plus, Sedo und dem World Fund baut mit der SaaS Group selbst eine Holding auf, die in großem Stil Softwarefirmen übernimmt.
- Radikale Effizienz: 2,5 Millionen US-Dollar Umsatz pro Mitarbeiter – mehr als bei der SaaS Group, Constellation Software und sogar Big Tech. Schumacher nennt es „die erste gefühllose Softwarefabrik der Welt“.
- Renditeziel: Bending Spoons kalkuliert mit mindestens 25 Prozent Rendite pro Jahr ohne Schulden, 65 Prozent mit Hebel. Werte ähnlich wie bei Constellation oder der SaaS Group.
- Hohe Bindung: 48 Prozent des Umsatzes stammen von Kunden, die seit mindestens fünf Jahren ein Abo haben.
Was Sorgen bereitet:
- Verschuldungsrisiko: Die Übernahmen sind stark fremdfinanziert. Allein im vergangenen Quartal betrugen die Zinszahlungen 90 Millionen US-Dollar. Schumacher vergleicht das mit der Immobilienbranche: „Solange die Cashcows laufen, läuft das. Aber wenn die Zinsen explodieren, wirds ein Problem.“
- M&A-Abhängigkeit: Das organische Wachstum ist sehr gering. Bending Spoons muss immer größere Brocken kaufen, um das Wachstum hochzuhalten – und macht das auch. Constellation hat die Kunst perfektioniert, viele kleine Deals zu schließen. Das ist nicht der Ansatz von Bending Spoons.
- Consumer statt B2B: Im Gegensatz zu Constellation agiert Bending Spoons stark im Consumer-Bereich, wo die „Stickiness“ geringer ist. Schumacher: „Niemand hat WeTransfer super tief integriert. Wenn die Leute sich abgezockt fühlen, geht das schnell, dass jemand anderes was baut.“
Und die Bewertung? Bei rund 20 Milliarden US-Dollar Börsenwert und einem hochgerechneten Jahresumsatz von 2,4 Milliarden US-Dollar liegt das Enterprise-Value-to-Sales-Multiple bei etwa acht. Constellation liegt bei 4,5. Ein Großteil des operativen Gewinns (120 Millionen US-Dollar im vergangenen Quartal) fließt in Zinsen. Am Ende ist es laut Schumacher eine Venture-Capital-Wette auf die Gründer – und darauf, dass die Zinsen nicht zu stark steigen.