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finaktien.de > Blog > Unterhaltung > Bahn verzeichnet weiterhin hohe Verluste
Unterhaltung

Bahn verzeichnet weiterhin hohe Verluste

Last updated: March 29, 2026 9:51 am
Klaus Meyer
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Bahn verzeichnet weiterhin hohe Verluste

Mehr Passagiere, steigende Erlöse – dennoch Milliardenverlust

Die Deutsche Bahn steckt wirtschaftlich weiterhin in einer schweren Schieflage. Zwar entschieden sich im vergangenen Jahr mehr Menschen für Reisen mit dem Konzern, und auch die Erlöse nahmen zu. Unter dem Strich blieb jedoch erneut ein deutlicher Fehlbetrag: Für 2025 weist die Bilanz ein Minus von 2,3 Milliarden Euro aus. Im Jahr zuvor lag der Verlust noch bei 1,8 Milliarden Euro – damit wuchs das Defizit um rund 500 Millionen Euro.

Bemerkenswert ist dies vor allem, weil die Nachfrage auf der Schiene hoch bleibt. Über alle Sparten hinweg verzeichnete der bundeseigene Konzern 1,93 Milliarden Fahrgäste, ein Plus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Regionalverkehr nutzten rund 1,8 Milliarden Menschen die Bahn, im Fernverkehr waren es 136 Millionen Fahrgäste. Auch die Verkehrsleistung erhöhte sich um 2,7 Prozent auf etwa 87 Milliarden Personenkilometer. Dennoch reicht der Zuwachs nicht aus, um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens auszugleichen.

Abschreibungen im Fernverkehr drücken massiv auf das Ergebnis

Haupttreiber des erneuten Milliardenverlusts ist der Fernverkehr. Hier musste die Bahn eine Wertminderung von rund 1,4 Milliarden Euro vornehmen. Der Hintergrund: Aufgrund des maroden Netzes, vieler Baustellen und anhaltender Verspätungen rechnet der Konzern langfristig mit niedrigeren Umsätzen als bislang angenommen.

Damit tritt ein strukturelles Defizit zutage. Nicht nur aktuelle Störungen setzen der Bahn zu – die Infrastruktur ist in einem Zustand, der das Geschäft voraussichtlich noch Jahre belasten wird. Die Hoffnung auf schnelle Besserung ist gering. Bahnchefin Evelyn Palla sprach offen von einem „neuen Realismus“ und machte klar, dass es rund zehn Jahre dauern werde, bis das Netz wieder in einem guten Zustand sei.

Das ist eine brisante Perspektive: Fahrgäste und Unternehmen müssen sich auf eine lange Phase mit eingeschränkter Qualität einstellen. Für einen Konzern, der von Verlässlichkeit lebt, ist das ein harter Befund.

Schenker-Verkauf entzieht dem Konzern einen stabilen Ertragsbringer

Zusätzlich erschwert wird die Lage durch den Verkauf der früheren Logistiktochter DB Schenker. Diese galt lange als verlässliche Gewinnquelle. Mit ihrem Wegfall fehlt der Bahn nun ein Bereich, der regelmäßig Geld beisteuerte und Verluste in anderen Sparten dämpfen konnte.

Der Verkauf spülte zwar viel Geld in die Kasse. Nach Konzernangaben sank der Schuldenstand dadurch um 11,9 Milliarden Euro auf zuletzt 20,7 Milliarden Euro. Rechnerisch ergab sich sogar ein Jahresüberschuss von 5,3 Milliarden Euro. Doch der Effekt trügt: Das Geld floss nahezu vollständig in den Schuldenabbau. Operativ bleibt der wirtschaftliche Druck damit hoch.

Genau hier liegt die Schwäche der Bilanz: Der Schuldenberg ist kleiner, die strukturellen Probleme im Tagesgeschäft bestehen aber fort. Wer seinen wichtigsten Gewinnbringer verkauft, verschafft sich Luft – löst damit jedoch nicht automatisch die Kernprobleme.

Palla meldet Fortschritte, dämpft jedoch die Erwartungen

Trotz des hohen Nettoverlusts verweist die Führung auf erste operative Verbesserungen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag bei plus 297 Millionen Euro – ein Anstieg um 630 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz erhöhte sich um drei Prozent auf rund 27 Milliarden Euro.

Evelyn Palla sprach von einem „wichtigen Schritt nach vorne“, fügte aber hinzu: „Zufrieden sind wir noch nicht.“ Das beschreibt die Lage treffend: Es gibt Lichtblicke, von stabiler wirtschaftlicher Basis ist der Konzern jedoch noch entfernt.

Seit dem 1. Oktober 2025 führt Palla den Konzern und treibt die Neuaufstellung voran. Der Vorstand wurde von acht auf sechs Ressorts verkleinert, auch in den Führungsebenen darüber hinaus gab es Einschnitte. 2026 steht ganz im Zeichen des Umbaus; die wesentlichen Schritte sollen Anfang 2027 abgeschlossen sein.

Pünktlichkeit bleibt das größte Glaubwürdigkeitsrisiko

Das gravierendste Problem betrifft den Alltag der Kundinnen und Kunden: Die Pünktlichkeit im Fernverkehr ist weiter abgestürzt. Nur 60,1 Prozent der Züge waren 2025 pünktlich, nach 62,5 Prozent im Jahr zuvor.

Palla benannte die Dimension offen: „Wir sehen seit 2020 einen Abwärtstrend und haben vergangenes Jahr einen Tiefstand erreicht“, sagte sie. Und weiter: „Wir müssen diese Talfahrt stoppen.“ Bis 2029 soll die Pünktlichkeit im Fernverkehr wieder auf 70 Prozent steigen.

Kurzfristig drohen jedoch zusätzliche Belastungen. Die Bahn rechnet selbst damit, dass die Quote auch im „Super-Baujahr 2026“ unter Druck bleibt. Geplant sind rund 28.000 Baustellen. Gemeinsam mit dem Bund sollen in diesem Jahr mehr als 23 Milliarden Euro in die Infrastruktur fließen. Bereits 2025 investierte die Bahn nach eigenen Angaben rund 19 Milliarden Euro ins Netz; zusammen mit Bundesmitteln beliefen sich die Bruttoinvestitionen auf etwa 22 Milliarden Euro.

Teils positive Entwicklungen, doch Cargo bleibt das Sorgenkind

Nicht alle Sparten entwickelten sich schwach. Mit Ausnahme von DB Cargo erzielten nach Bahnangaben alle Geschäftsfelder ein positives operatives Ergebnis. Besonders stark performte DB Regio mit einem operativen Gewinn von 191 Millionen Euro. Auch das Busgeschäft schrieb erstmals seit acht Jahren wieder schwarze Zahlen.

Im Fernverkehr spricht der Konzern von einem „Einstieg in die Sanierung“. Das operative Ergebnis verbesserte sich dort von minus 96 Millionen Euro auf plus 45 Millionen Euro. Umsatz und Verkehrsleistung erreichten zwar Rekordwerte, blieben wegen der schwierigen Infrastrukturlage aber hinter den Erwartungen zurück.

Das größte Problem bleibt die Güterverkehrstochter DB Cargo. Zwar legte sie operativ um 350 Millionen Euro zu, die Gewinnschwelle verfehlte sie dennoch knapp. Gleichzeitig sank die beförderte Gütermenge deutlich. Zur Sanierung plant der Konzern bis 2030 den Abbau von 6.200 Stellen.

Milliarden fließen – doch die Geduld der Kundschaft wird auf die Probe gestellt

Zusätzlich will die Bahn in diesem Jahr über 140 Millionen Euro in drei Sofortprogramme investieren. Geplant sind Verbesserungen bei Sauberkeit und Sicherheit an Bahnhöfen, beim Komfort im Fernverkehr sowie in der Kundeninformation. Für 2026 rechnet der Konzern mit rund 28 Milliarden Euro Umsatz und einem operativen Ergebnis von etwa 600 Millionen Euro.

Entscheidend bleibt, ob die Fahrgäste diesen langen Weg mitgehen. Mehr Reisende, steigende Umsätze und Milliardeninvestitionen ändern nichts daran, dass die Bahn bei Pünktlichkeit, Infrastruktur und Verlässlichkeit in einer tiefen Vertrauenskrise steckt. Die Bilanz zeigt deshalb nicht nur rote Zahlen, sondern auch, wie groß die Lücke zwischen politischen Erwartungen, wirtschaftlicher Realität und täglicher Reiseerfahrung inzwischen geworden ist.

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