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finaktien.de > Blog > Rezension > Autozulieferer Mahle baut erneut Arbeitsplätze ab
Rezension

Autozulieferer Mahle baut erneut Arbeitsplätze ab

Last updated: November 3, 2025 11:55 pm
Klaus Meyer
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Autozulieferer Mahle baut erneut Arbeitsplätze ab

Umfangreicher Stellenabbau angekündigt – Sparprogramm belastet Stuttgart besonders

Der traditionsreiche Autozulieferer Mahle zieht seinen Sparkurs weiter an und will weltweit 1.000 Stellen streichen. Vor allem die Verwaltung, aber auch Bereiche der Forschung und Entwicklung sind betroffen. Konzernchef Arnd Franz sagte in einem Interview, man müsse „einen Schritt gehen, den wir nicht geplant hatten, der aber unumgänglich ist“. Der Konzern reagiert damit auf die anhaltenden Belastungen durch die schwache Automobilkonjunktur, den Branchenwandel und die sinkende Nachfrage nach Verbrennungsmotoren.

Sparziel von 150 Millionen Euro pro Jahr

Ab dem kommenden Jahr will das Unternehmen jährlich 150 Millionen Euro einsparen. Zwei Drittel dieser Summe sollen über Personalkosten erzielt werden, der Rest über Sachkosten. Damit ist klar, dass der geplante Abbau etwa 1.000 Arbeitsplätze weltweit umfasst. Rund die Hälfte der Maßnahmen entfällt auf Deutschland, wobei der größte Anteil am Standort Stuttgart liegt, an dem Mahle traditionell starke Verwaltungs- und Entwicklungsbereiche unterhält.

Franz betonte, die Umsetzung solle „so sozialverträglich wie möglich“ erfolgen. Vorgesehen sind Abfindungsprogramme und Vorruhestandsregelungen, um betriebsbedingte Kündigungen weitgehend zu vermeiden. Dennoch wird das Sparprogramm deutliche Spuren hinterlassen – vor allem in der Zentrale, die bislang als stabiler Anker galt.

Krise der Autoindustrie erzwingt Gegenmaßnahmen

Die Gründe sind vielfältig, hängen jedoch allesamt mit der anhaltenden Krise der Automobilindustrie zusammen. Mahle leidet besonders unter dem Rückgang der Verbrenner-Technologie, die lange das Kerngeschäft bildete. Der Umstieg auf Elektromobilität stellt das Unternehmen vor große Herausforderungen.

„Wir müssen unsere Kapazitäten an die strukturellen Marktveränderungen anpassen“, so Franz. Hinzu kommen externe Faktoren wie US-Zölle auf Autoimporte, der intensive Wettbewerb mit chinesischen Zulieferern sowie die hohen Energie- und Rohstoffkosten in Europa. Diese Mischung aus globalem Preisdruck und technologischer Transformation zwingt Mahle, die internen Strukturen deutlich zu verschlanken.

Bereits 600 Stellen in Deutschland gestrichen

Der aktuelle Kurs folgt auf frühere Einschnitte: Bereits im Sommer hatte Mahle rund 600 Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut. Zum Jahresende 2024 beschäftigte der Konzern hierzulande etwa 10.000 Mitarbeitende, weltweit mehr als 70.000 in über 30 Ländern. Die nun angekündigte Runde bedeutet für Deutschland eine mittlere dreistellige Zahl zusätzlicher Streichungen, so Franz.

Besonders getroffen sind Verwaltung, Personal und Entwicklung, während in der Produktion vorerst keine größeren Einschnitte geplant sind. Mahle will die verbleibenden Kapazitäten stärker auf Zukunftsfelder wie Thermomanagementsysteme, Elektromotoren und Batteriekühlung ausrichten.

Struktureller Wandel und internationale Konkurrenz

Mahle steht beispielhaft für die Lage vieler deutscher Zulieferer, die zwischen Transformation und Kostendruck stehen. Während Wettbewerber aus Asien günstiger fertigen, steigen in Europa die Aufwendungen für Arbeit, Energie und Forschung. Branchenkenner werten die Entwicklung als Zeichen einer tiefgreifenden Neuausrichtung der gesamten Zulieferindustrie.

Zugleich versucht der Konzern, international konkurrenzfähig zu bleiben. Mahle ist an über 160 Produktionsstandorten präsent und beliefert nahezu alle großen Automobilhersteller. Doch der Wechsel zur Elektromobilität erfordert Investitionen in neue Technologien, die kurzfristig hohe Kosten mit sich bringen.

„Wir müssen gleichzeitig sparen und investieren – das ist unsere größte Herausforderung“, sagte Franz. Seine Worte verdeutlichen die Zwickmühle vieler Zulieferer: Einerseits gilt es, Kosten zu senken, andererseits verlangt der Wandel zur E-Mobilität erhebliches Kapital für Forschung und Entwicklung.

Ausblick: Fokus auf Zukunftsfelder trotz Sparkurs

Trotz der Einschnitte hält Mahle an seiner langfristigen Agenda fest. Der Konzern will sich stärker auf elektrische Antriebe, Wasserstoffsysteme und klimaneutrale Lösungen konzentrieren. Nach eigenen Angaben stammen bereits heute über 60 Prozent des Umsatzes aus Bereichen jenseits des klassischen Verbrenners.

Analysten werten den Sparkurs als Versuch, Liquidität und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, um künftige Wachstumsfelder zu finanzieren. Kurzfristig dürfte der Abbau Verunsicherung bringen, langfristig jedoch den Weg für eine technologische Neuausrichtung ebnen. Für die Region Stuttgart, einen Kernstandort der deutschen Autoindustrie, bleibt der Stellenabbau dennoch ein schwerer Schlag. Zahlreiche Fachkräfte sind betroffen, und auch die Zulieferkette spürt die Folgen. Gleichwohl gilt Mahle weiterhin als technologisch starkes Unternehmen mit hoher Forschungsdichte und globalem Netzwerk – Eigenschaften, die in einer sich wandelnden Branche entscheidend sein könnten.

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