Rund 20 Jahre Bauzeit, Kosten von vier Milliarden US‑Dollar und eine Länge von 541 Kilometern: Arizonas zentraler Wasserkanal beliefert Millionen Menschen. Doch aufgrund der anhaltenden Dürre gerät das Milliardenprojekt mittlerweile selbst massiv unter Druck.
In zahlreichen Städten des US-Bundesstaats Arizona ist Wasser knapp. Metropolen wie Phoenix und Tucson sowie viele kleinere Gemeinden entlang der Trasse sind auf die Versorgung durch das Central Arizona Project (CAP) angewiesen. Ein Ingenieur schildert dem US-Nachrichtenportal „Azcentral“, vor welchen Hürden man beim Bau stand.
541 Kilometer langer Kanal als Lebensader Arizonas
„Das Wasser wird mit dem größten Pumpwerk, dem Havasu-Pumpwerk, aus dem Havasu-See gepumpt. Es gibt da sechs große Pumpen. Dann fließt es in einen 13 Kilometer langen Tunnel“, erklärt Will Worthington, einer der Ingenieure des Central-Arizona-Projects. Die Countys Maricopa, Pinal und Pima sowie mehr als 400.000 Hektar Agrarfläche werden normalerweise über den Kanal versorgt.
Beim Bau mussten die Ingenieurteams Gebirgsketten umfahren oder direkt unterqueren. Entlang der Trasse unterstützen 14 Pumpwerke den Transport des Wassers durch die Wüste. Insgesamt 18 Vermessungsteams begleiteten Entwurf und Umsetzung des Projekts.
Wasserlieferung über den Kanal
Den CAP-Kanal gibt es seit Jahrzehnten. Laut der offiziellen Homepage dauerte die Errichtung rund 20 Jahre und kostete vier Milliarden US‑Dollar. Das Wasserleitungssystem misst etwa 541 Kilometer. Der Bau begann bereits in den frühen 1970er-Jahren. Seine Aufgabe: Am Stausee Lake Havasu wird Wasser aus dem Colorado-Fluss entnommen und in Richtung Zentral- und Süd-Arizona geführt.
Derzeit jedoch stellt sich ein Problem: Im Winter 2025/2026 fiel in den Rocky Mountains ungewöhnlich wenig Schnee, sodass die Schmelzwasserzufuhr den Colorado nicht wie gewohnt speiste.
„Es ist sehr schwierig, sich damit abzufinden, dass der Colorado-Fluss nicht mehr genug Wasser abwirft, um diejenigen zu versorgen, die das Wasser zugeteilt bekommen haben“, sagt Worthington dazu.
Wassermangel im Colorado-Fluss
Doch damit nicht genug: Der Niedrigwasserstand des Colorado mindert auch die Stromproduktion der Wasserkraftwerke entlang des Flusses. Laut „Azcentral“ stammt ein Großteil des Wassers aus den Rocky Mountains und weiteren Einzugsgebieten der wichtigen Pegelstation Lees Ferry im Norden Arizonas.
Im 20. Jahrhundert lag der durchschnittliche Durchfluss an Lees Ferry bei 15,2 Millionen Acre Feet, das entspricht 18,7 Milliarden Kubikmetern.
Im 21. Jahrhundert sind es bislang nur noch zwölf Millionen Acre Feet. „Das sind alles wirklich gewaltige Unterschiede“, sagt der Klimaforscher Brad Udall dazu. Das seien „Dinge, die wir so noch nie erlebt haben“.
Selbst in den härtesten Abschnitten des vergangenen Jahrhunderts lag der mittlere Abfluss höher als in der aktuellen Dürre. Für die Stromerzeugung steht somit zu wenig Wasser zur Verfügung.