Staatlicher Einstieg soll den strauchelnden Chipkonzern Intel stützen
Schwache Ergebnisse, kaum überzeugende Produktneuheiten – besonders im KI-Bereich – und eine Aktie, die auf der Stelle tritt: Auch 2025 fällt die Bilanz des Halbleiter-Veteranen Intel ernüchternd aus.
Ein Ausweg sollte eigentlich eine milliardenschwere Förderung aus dem von Ex-Präsident Joe Biden initiierten CHIPS-Act sein, der die Ansiedlung von Halbleiterfertigung in den USA vorantreiben sollte. Doch diese Unterstützung kommt nicht wie ursprünglich geplant.
Statt einer bedingungslosen Zusage hat US-Präsident Donald Trump Intel eine rund 10-prozentige Beteiligung abgerungen – eine „schrecklich schlechte“ Entscheidung, urteilt das Research-Haus Cato Institute.
“Schrecklich schlechte Idee”: Dieser Analyst ist extrem verärgert!
Während Intel den Staatseinstieg vergangene Woche als „historisch“ feierte, warnte Lead-Analyst Scott Lincicome vor gravierenden Folgen. Der Deal treibe die USA in Richtung eines staatskapitalistischen Modells nach chinesischem Vorbild.
Lincicome sieht Risiken für Unternehmen, die technologische Führungsrolle der USA und die Gesamtwirtschaft. Er befürchtet, dass Intel künftig politischen statt wirtschaftlichen Interessen ausgesetzt sein könnte. Staatsnahe Unternehmen seien seiner Ansicht nach „chronisch langsam, aufgebläht und ineffizient“.
Auch für Wettbewerber ergibt sich laut Lincicome ein Problem: Sie müssten nicht nur gegen Intel, sondern indirekt auch gegen „Uncle Sam“ um Kunden und Kapital antreten. Selbst Intels Abnehmer stünden vor einem Dilemma: Kaufen sie Intel-Produkte unabhängig von deren Qualität – oder riskieren sie staatlichen Druck, wenn sie leistungsstärkere Alternativen wählen?
USA bald ohne stabiles Investitionsklima?
Zudem warnt der Analyst vor einem bröckelnden Investitionsklima, wenn Unternehmen jederzeit unter Verweis auf nationale Sicherheit teilweise enteignet oder zu Beteiligungen gezwungen werden könnten. Die Regierung mache Intel außerdem zur Zielscheibe ausländischer Gegenmaßnahmen, da die Beteiligung als wettbewerbsverzerrende Subvention angefochten werden könne.
Sein Fazit: Es habe zahlreiche Möglichkeiten gegeben, Intel zu unterstützen – doch mit dem direkten Einstieg beim angeschlagenen Chiphersteller habe die Regierung die ungünstigste gewählt.
Kurzfristig Kursplus, langfristig bleibt die Bilanz schwach
Ungeachtet der Kritik hat sich der Deal für die USA kurzfristig bereits gerechnet: Die zu 20,47 US-Dollar erworbenen 433,3 Millionen Intel-Aktien notieren inzwischen knapp bei 25,00 US-Dollar – ein Wert von rund 10,8 Milliarden US-Dollar.
Gegenüber dem Vorjahr steht nach einer langen Seitwärtsphase ein Plus von etwa 23,6 Prozent. Auf Sicht von fünf Jahren jedoch war die Aktie ein Kapitalvernichter: Die Gesamtrendite (inklusive inzwischen gestrichener Dividende) liegt bei 43,8 Prozent. Im gleichen Zeitraum erzielte der US-Gesamtmarktindex S&P 500 eine Performance von 104,9 Prozent.
Fazit: Kein tragfähiger Investment-Case
Scott Lincicome vom Cato Institute warnt vor weitreichenden Folgen des staatlichen Einstiegs bei Intel – mit Effekten weit über den angeschlagenen Chipkonzern hinaus.
Unabhängig von der Bewertung des Deals liefert die Intel-Aktie weiterhin keinen überzeugenden Investment-Case. Ohne ein Aufholen gegenüber den Konkurrenten AMD und Nvidia – zumal aufstrebende Anbieter wie Huawei und Qualcomm mittelfristig ebenfalls im CPU- und GPU-Geschäft mitmischen dürften – bleibt die operative Entwicklung unter Druck.
Ohne Rückkehr zu nachhaltig profitablen Geschäften ist die Bewertung nicht attraktiv. Anlegerinnen und Anleger sollten sich die Opportunitätskosten sparen, auf ein Investment in Intel verzichten und stattdessen auf erfolgreichere Wettbewerber setzen.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross