Max Gross bringt viele Jahre Erfahrung an der Börse mit, darunter fünf Jahre als Redakteur bei einem der führenden deutschen Anlegermagazine. Für ARIVA.DE bereitet er Markt- und Unternehmensentwicklungen fundiert, praxisnah und mit klarem Fokus auf Anlageentscheidungen auf. Schwerpunkte sind US-Aktien, Dividendenwerte und Value-Titel. Ziel seiner Arbeit ist es, Anlegerinnen und Anlegern relevante Informationen, konkrete Investmentideen und belastbare Impulse für den langfristigen Vermögensaufbau zu liefern. Dabei setzt er auf eine Kombination aus technischer und fundamentaler Analyse.
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© Foto: Kalea Morgan, Unsplash.
Obwohl der Umsatz kräftig zulegte, fanden die in der vergangenen Woche präsentierten Adidas-Zahlen bei Anlegern wenig Anklang. So schätzen Experten die Aktie nun ein.
Kurz zusammengefasst:
Trotz Umsatzsprungs kann Adidas nicht überzeugen
Nach der aus Sicht von Adidas erfolgreichen Fußball-WM der Herren – mit Argentinien und Spanien standen gleich zwei vom Unternehmen ausgerüstete Teams im Finale, zudem war das DFB-Trikot trotz des frühen Ausscheidens äußerst gefragt – richtete sich der Blick gespannt auf die Zahlen zum abgelaufenen Quartal.
Beim Umsatz lieferte Adidas ab: Die Erlöse erhöhten sich um 14 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Ein derart starkes Plus kann in der Sportartikelbranche derzeit kaum jemand vorweisen. Bei Wettbewerbern wie Nike und Lululemon stagnieren die Geschäfte teils oder entwickelten sich rückläufig.
Das kräftige Umsatzplus war allerdings teuer erkauft: Trotz höherer Erlöse verbesserte sich die Ertragsseite kaum. Die operative Marge sank um 70 Basispunkte von 9,2 auf 8,5 Prozent, während das Betriebsergebnis nur um 5 Prozent auf 574 Millionen Euro zulegte. Das enttäuschte Anleger und führte zeitweise zu einem Kurssturz von fast 20 Prozent. Unter Analysten fällt das Fazit hingegen spürbar milder aus – der Überblick:
Analystinnen und Analysten bleiben zuversichtlich
Vor allem bei Bernstein sieht man die Kaufempfehlung bestätigt. Sowohl die Einstufung “Outperform” als auch das Kursziel von 245 Euro bleiben bestehen. Analystin Aneesha Serhman, die laut dem Informationsportal TipRanks als sehr verlässlich gilt, sprach von einem positiven Umsatzüberraschungseffekt und schwächeren Margen. Die angehobene Umsatzprognose spiegele Rückenwind einerseits und anhaltende “konjunkturelle Herausforderungen” andererseits wider.
Auch die US-Großbank JP Morgan liegt mit einem Kursziel von 230 Euro deutlich über dem Konsens. Wendy Liu attestierte dem Unternehmen einen “unveränderten Wachstumspfad” und sieht in der Aktie das beste Chancen-Risiko-Verhältnis innerhalb der Branche. Entsprechend wurde die Empfehlung “Übergewichten” bestätigt.
Viele bestätigte Empfehlungen und Kursziele
Auch bei der Deutschen Bank, Jefferies und der Schweizer Großbank UBS äußerten sich die Expertinnen und Experten positiv zu den Zahlen. Alle drei Häuser bekräftigten ihre Kaufempfehlungen und nannten Kursziele zwischen 205 und 219 Euro.
Adam Cochrane von der Deutschen Bank fasste die Resultate mit “gut, aber nicht gut genug” zusammen und verwies auf die hohen Erwartungen nach der erfolgreichen WM. UBS-Experte Robert Kranowski sprach von einer Enttäuschung beim operativen Ergebnis aufgrund hoher Marketingkosten und erinnerte angesichts der starken Kursreaktion an die bereits im Vorfeld gut gelaufene Aktie. Jefferies-Analyst James Grzinic teilte die Bedenken hinsichtlich der unter Druck stehenden Margen, die die Wachstumsdynamik im zweiten Quartal in den Hintergrund gedrängt hätten.
Mehrheit rät weiterhin zum Kauf
Nach den jüngsten Aktualisierungen dominieren weiterhin positive Voten. Von insgesamt 30 Empfehlungen entfallen 16 auf “Kaufen” und weitere 8 auf “Übergewichten”. Dem gegenüber stehen lediglich 6 neutrale Einschätzungen; Verkaufsempfehlungen gibt es keine.
Im Schnitt veranschlagen die Analysten den fairen Wert der Aktie auf 205,10 Euro – das entspricht gegenüber Freitag einem Aufwärtspotenzial von mehr als einem Viertel. Das höchste Kursziel liegt derzeit bei 255,00 Euro, die pessimistischste Einschätzung bei 163,00 Euro, was selbst noch Spielraum nach oben lassen würde.
Aktie charttechnisch wieder im Niemandsland
Technisch hat der Earnings-Einbruch deutliche Spuren hinterlassen. Adidas bestätigte nicht nur den Widerstand im Bereich um 180 Euro, sondern fiel auch unter die 50-Tage-Linie. Die Unterstützung bei 160 Euro sowie die dort verlaufende 200-Tage-Linie hielten dem Verkaufsdruck nur knapp stand.
Die Indikatoren deuten darauf hin, dass die 200-Tage-Linie fallen und der Bereich um 140 Euro erneut getestet werden könnte: Der Relative-Stärke-Index (RSI) signalisiert ausgeprägte Schwäche, während der Trendstärkeindikator MACD unter die Nulllinie gerutscht ist und damit einen neuen (kurzfristigen) Abwärtstrend anzeigt. Bullishe Divergenzen, die eine Wende zugunsten der Bullen einleiten könnten, sind derzeit nicht zu erkennen.
Fazit: Für Investoren besteht kein Anlass zur Eile
Bewertung: Für 2026 ergibt sich ein KGVe von 16,9, für 2027 von 13,8. Das sind moderate Niveaus vor dem Hintergrund des starken Umsatzwachstums. Die Margen sollten sich jedoch nicht weiter eintrüben, da andernfalls die Analystenschätzungen schwer zu erreichen wären und die effektiven Gewinnvielfachen höher ausfallen könnten.
Obgleich die Analystinnen und Analysten unverändert optimistisch sind, sollten Anlegerinnen und Anleger derzeit vorsichtig vorgehen und eine Bodenbildung bevorzugt im Bereich um 160 Euro, spätestens bei 140 Euro abwarten. Alternativ bietet sich ein technisch überzeugender Ausbruch über 180 Euro zum Einstieg an. Eile ist aktuell nicht geboten.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross
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