Seit Beginn des Krieges sollen bereits über 90 Milliarden Dollar unter staatliche Kontrolle gelangt sein. Die jüngste Enteignung in Milliardenhöhe zeigt, wie weit der Kreml inzwischen geht.
Neuester Schlag des Kremls: Russische Behörden haben Vermögenswerte im Wert von etwa 550 Milliarden Rubel (umgerechnet rund 7,6 Milliarden US-Dollar) konfisziert. Laut dem Exilmedium „Moscow Times“ sollen die Gelder einem inhaftierten Milliardär zugeordnet sein. Das Vermögen geht nun in Staatseigentum über.
Die Kernpunkte auf einen Blick:
- Russland zieht eine Rekordsumme von einem inhaftierten Milliardär ein.
- In den vergangenen Monaten gab es wiederholt Enteignungen großer Privatvermögen.
- Aus Sicht des Kremls sind die regelmäßigen Zugriffe nötig, weil vielerorts Geld fehlt.
- Unter Russlands Superreichen macht sich jedoch Unruhe breit.
Putin zielt auf Vermögen eines Milliardärs
Aktuell betroffen ist Wadim Moschkowitsch (58), Gründer des bedeutenden Agrarunternehmens Rusagro, der auf Platz 51 der Forbes-Liste der reichsten Geschäftsleute Russlands steht. Er sitzt seit März vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Auch der frühere Rusagro-Chef Maxim Bassow wurde in diesem Zusammenhang festgenommen.
- Oleg Kan (4,3 Milliarden US-Dollar)
- Der Moskauer Flughafen Domodedowo (4,42 Milliarden US-Dollar)
- Goldproduzent Juschtschuralzoloto (geschätzte 2,0 Milliarden US-Dollar)
- Teigwarenhersteller Makfa (rund 1,38 Milliarden US-Dollar)
90 Milliarden Dollar fließen in Moskaus Staatskasse
Die Beschlagnahme reiht sich in eine größere Kampagne des Kremls ein, seit Beginn der Invasion in der Ukraine privates Vermögen in großem Umfang unter staatliche Kontrolle zu bringen. Insgesamt soll die Regierung unter Wladimir Putin bereits mehr als 6,5 Billionen Rubel (rund 90 Milliarden US-Dollar) eingezogen haben.
Erst vor wenigen Wochen berichteten internationale Medien, der Kreml nutze für solche Eingriffe die Staatsanwaltschaft als Instrument zur Enteignung. Rund 19 Milliarden US-Dollar seien über sogenannte Anti-Korruptions-Verfahren in den Staatshaushalt geflossen. Seit 2024 habe sich dieses Vorgehen deutlich verstärkt. In vielen Fällen richteten sich die Anklagen gegen Geschäftsleute, die zugleich politische Ämter innehatten.
Das US-Magazin „Bloomberg” meldete, dass Russlands Reiche wegen dieser Enteignungsstrategie zunehmend nervös werden. Aus der Milliardärselite gebe es verstärkte Bemühungen, die Loyalität zum Kreml offen zu demonstrieren – in der Hoffnung, das eigene Vermögen zu bewahren.
Russlands Wirtschaft unter hohem Druck
Für Kreml-Chef Putin werden solche zusätzlichen Einnahmen immer wichtiger. Russland fehlt seit Jahren systematisch Geld. Eine Kombination aus westlichem Sanktionsdruck, sinkenden Importerlösen und einer drohenden Bankenkrise – alles ausgelöst durch den Ukraine-Krieg – hat dem Haushalt die Mittel entzogen.
Bereits im März musste Russland einräumen, das Defizitziel für das gesamte Jahr 2026 gerissen zu haben. Wichtige Investitionen und Subventionen werden gestrichen, und Branchen, die auf diese Gelder angewiesen sind – darunter die zentrale Kohleindustrie – schwächeln.
Kriegsausgaben drücken auf Putins Haushalt
Auslöser sind die enormen Kriegsausgaben des Kremls. Trug die Rüstungsproduktion vor einigen Jahren noch zu einem künstlich aufgeblähten Wachstum bei, erweist sie sich nun als Schwäche. Dass die produzierten Kriegsgüter keinen nachhaltigen Mehrwert schaffen, sondern im Ukraine-Krieg verbraucht werden, ist westlichen Ökonomen seit Langem klar – und war nun auch Thema auf dem Wirtschaftsgipfel in St. Petersburg.