Um monatlich etwa 4000 Euro aus Dividenden zu beziehen, braucht es – je nach Rendite – zwischen 509.000 und 1,38 Millionen Euro. Die günstigste Lösung ist jedoch mit Risiken verbunden.
- Variante 1: Geringere Rendite, dafür höhere Stabilität
- Variante 2: Höhere Ausschüttung mit Immobilienwerten
- Variante 3: Nahezu 10 Prozent Rendite – dafür deutlich mehr Risiko
- Eine hohe Dividende ist kein Garant für Sicherheit
- Das überzeugendere Argument ist nicht die höchste Anfangsrendite
- Ein Mix kann den Kapitalbedarf spürbar senken
Wer im Ruhestand jeden Monat rund 4000 Euro zusätzlich aus seinem Depot entnehmen möchte, benötigt dafür ein beachtliches Startkapital. Wie stark die nötige Summe von der Dividendenrendite abhängt, verdeutlicht ein aktuelles Rechenbeispiel des US-Finanzportals „247WallSt“.
Das Beispiel ist zwar auf den US-Markt ausgerichtet und lässt sich nicht eins zu eins auf deutsche Investoren übertragen. Die Grundlogik ist jedoch auch hierzulande relevant: Je höher die Dividendenrendite, desto weniger Kapital ist erforderlich, um denselben Jahresbetrag zu erwirtschaften. Gleichzeitig nimmt mit steigender Rendite meist auch das Risiko zu.
Die Ausgangslage: Angestrebt sind 56.400 Dollar pro Jahr beziehungsweise 4700 Dollar monatlich. Umgerechnet entspricht das beim aktuellen Kurs rund 48.500 Euro jährlich oder etwa 4040 Euro im Monat. Für die nachfolgenden Vergleiche werden die Dollarwerte entsprechend konvertiert. Zuletzt lag der Wechselkurs bei ungefähr 1,17 Dollar je Euro.
Variante 1: Geringere Rendite, dafür höhere Stabilität
Als konservante Lösung nennt „247WallSt“ den Schwab U.S. Dividend Equity ETF (SCHD). Dieser ETF bündelt große US-Konzerne mit stabiler sowie wachsender Dividendenhistorie. Zu den größeren Positionen zählen unter anderem Qualcomm, Texas Instruments, Coca-Cola, Merck und Chevron.
Die Rechnung basiert auf einer Dividendenrendite von 3,5 Prozent. Um damit 56.400 Dollar jährlich zu erzielen, wären rund 1,61 Millionen Dollar erforderlich.
Das entspricht derzeit ungefähr 1,39 Millionen Euro.
Das ist mit Abstand der höchste Kapitalbedarf der drei Varianten. Dafür profitieren Anleger bei einem breit gestreuten Dividenden-ETF nicht nur von der laufenden Ausschüttung, sondern setzen auch auf künftiges Dividendenwachstum und mögliche Kurssteigerungen.
Gerade für Ruheständler, die ihr Vermögen nicht abschmelzen lassen wollen, ist das wichtig: Eine niedrigere Anfangsrendite kann langfristig attraktiver sein, wenn die Ausschüttungen regelmäßig steigen.
Variante 2: Höhere Ausschüttung mit Immobilienwerten
Deutlich weniger Kapital wäre laut Beispielrechnung bei VICI Properties notwendig. Der US-Immobilienkonzern besitzt unter anderem Casinos und Glücksspielimmobilien. Zu den Mietern zählen bekannte Namen wie Caesars, MGM und das Venetian.
Aktuell zahlt die Aktie 0,45 Dollar je Quartal, also 1,80 Dollar pro Jahr. Daraus ergibt sich im Ausgangstext eine Rendite von rund sieben Prozent.
Für die Modellrechnung setzt 247WallSt jedoch vorsichtig 6 Prozent an. Damit wären für 56.400 Dollar Jahresertrag rund 940.000 Dollar nötig.
Umgerechnet entspricht das etwa 808.400 Euro.
Der höhere laufende Cashflow hat jedoch seinen Preis: Immobilienaktien und speziell REITs reagieren sensibel auf Zinsänderungen. Steigen Renditen von Staatsanleihen, locken dort risikoärmere Alternativen – das kann Immobilienwerte belasten.
Das zeigt auch VICI: Laut „247WallSt“ notierte die Aktie zuletzt rund 14 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Variante 3: Nahezu 10 Prozent Rendite – dafür deutlich mehr Risiko
Noch weniger Kapital bräuchte man bei Ares Capital (ARCC). Das Unternehmen ist eine sogenannte Business Development Company (BDC) und finanziert vor allem mittelständische Firmen.
Der große Pluspunkt sind die hohen Ausschüttungen: Die reguläre Quartalsdividende liegt bei 0,48 Dollar je Aktie. Bei einem Kurs um 20 Dollar ergibt das knapp zehn Prozent Rendite. Aktuelle Marktdaten weisen für ARCC eine Forward-Rendite von rund 9,6 Prozent aus.
„247WallSt“ kalkuliert im Beispiel vorsichtiger mit 9,5 Prozent. Für 56.400 Dollar pro Jahr wären damit etwa 594.000 Dollar erforderlich.
Das entspricht rund 510.840 Euro. Damit sinkt der Kapitalbedarf im Vergleich zur konservativen SCHD-Variante um mehr als 870.000 Euro. Der Haken: Eine derart hohe Rendite ist selten ohne zusätzliche Risiken zu haben.
Eine hohe Dividende ist kein Garant für Sicherheit
Bei ARCC traten zuletzt mehrere Punkte zutage, die Anleger beachten sollten. Im zweiten Quartal 2026 lag der Core-EPS bei 0,47 Dollar und damit unter der Quartalsdividende von 0,48 Dollar. Gleichzeitig fiel der Nettoinventarwert je Aktie von 19,90 Dollar Ende 2025 auf rund 19,40 Dollar.
Auch der Anteil notleidender Kredite stieg: Im zweiten Quartal 2026 entfielen 2,4 Prozent des Kreditvolumens von ARCC auf Ausfälle beziehungsweise ausgebliebene Zahlungen.
Wichtig für Anleger: Eine Dividendenrendite nahe zehn Prozent ist nicht mit einem sicheren Zins von zehn Prozent gleichzusetzen. Ausschüttungen können gekürzt werden – oft begleitet von Kursverlusten.
Dazu kommt für deutsche Investoren das Währungsrisiko: Schwächelt der Dollar gegenüber dem Euro, schmälert das die Rendite in heimischer Währung.
Das überzeugendere Argument ist nicht die höchste Anfangsrendite
Besonders aufschlussreich ist deshalb eine andere Kennzahl: das Dividendenwachstum.
Laut „247WallSt“ stieg die Ausschüttung von VICI von 0,2875 Dollar je Quartal im Jahr 2019 auf 0,45 Dollar im Jahr 2026. Bei ARCC liegt die reguläre Quartalsdividende hingegen seit März 2023 unverändert bei 0,48 Dollar.
Das verdeutlicht: Eine hohe Einstiegsrendite ist nicht gleichbedeutend mit einem wachsenden Einkommen. Steigt eine Dividende etwa um acht Prozent pro Jahr, kann eine anfängliche Rendite von 3,5 Prozent nach einigen Jahren deutlich höhere Zahlungen liefern. Bleibt eine Ausschüttung von 9,5 Prozent hingegen dauerhaft konstant, wird sie real durch Inflation entwertet.
Für Anleger mit noch zehn bis 20 Jahren bis zum Ruhestand kann daher das Dividendenwachstum wichtiger sein als die maximale Anfangsausschüttung.
Ein Mix kann den Kapitalbedarf spürbar senken
Interessant ist daher eine dritte Herangehensweise: die Kombination aller drei Anlageklassen.
Bei gleicher Gewichtung von SCHD, VICI und ARCC ergibt sich eine Durchschnittsrendite von rund 6,5 Prozent. Für 56.400 Dollar jährliche Ausschüttungen wären demnach etwa 870.000 Dollar nötig. Das entspricht derzeit rund 745.000 Euro.
Damit liegt der notwendige Kapitalstock deutlich unter den etwa 1,38 Millionen Euro der konservativen Lösung – und das Depot ist weniger stark von nur einer Anlageklasse abhängig.
Was deutsche Anleger aus dem Beispiel mitnehmen sollten
Die konkrete Rechnung stammt aus den USA und lässt sich nicht direkt auf Deutschland übertragen: Hierzulande sind Kapitalertragsteuer, mögliche Quellensteuer auf US-Dividenden, der Sparer-Pauschbetrag sowie das Währungsrisiko zu berücksichtigen.
Zudem sollte die Dividendenrendite nie isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist die Gesamtrendite aus Ausschüttungen und Kursentwicklung – und ob ein Unternehmen seine Dividende dauerhaft aus erwirtschafteten Mitteln tragen kann.
Das Grundprinzip bleibt dennoch aufschlussreich: Wer im Ruhestand beispielsweise rund 4000 Euro monatlich aus Kapitalerträgen erzielen möchte, braucht selbst bei relativ hohen Ausschüttungsrenditen schnell einen sechs- bis siebenstelligen Betrag.
Rechnerisch wären bei 6 Prozent Rendite rund 805.000 Euro nötig, bei 3,5 Prozent etwa 1,38 Millionen Euro. Bei 9,5 Prozent sinkt der erforderliche Kapitalstock dagegen auf rund 509.000 Euro.
Doch je höher die Rendite, desto sorgfältiger sollten Anleger prüfen, wie sie zustande kommt – und welches Risiko damit einhergeht.
Hinweis: Die Euro-Beträge sind auf Basis eines Wechselkurses von rund 1 Euro = 1,168 US-Dollar berechnet und können sich mit dem Wechselkurs verändern. Die Berechnungen dienen der Veranschaulichung und stellen keine Anlageempfehlung dar.